Das hab ich noch nie getan!

Es gibt zwei Dinge in meinem Lesealltag, die so nicht wirklich vorkommen.

  1. Ich kämpfe mich nicht durch ein Buch, wenn ich es nicht ansprechend finde. Meine Lese-/Lebenszeit ist mir zu kostbar dafür. Außerdem gibt es so viele andere tolle Bücher, da muss ich mich nicht mit dem einen quälen.
  2. Ich stelle mir keine ungelesenen oder angelesenen Bücher ins Regal. Dafür habe ich ein kleineres SUB-Regal.

Die Vorzeichen für das Buch Das Licht der letzten Tage von Emily St. John Mandel waren eigentlich von Anfang an nicht gut. Und trotzdem habe ich es gekauft. Und trotzdem habe ich es zweimal versucht zu lesen. Und aus irgendeinem Grund wollte ich mich durchkämpfen. Warum nur?

daslichtderletztentage

Warum hätte ich es nicht kaufen dürfen?

Nun. Es ist genau genommen ein halber Coverkauf. Auch etwas, was ich eigentlich nie tue. Aber bis heute ziehen mich die Farben auf dem Cover magisch an. Ich könnte es stundenlang ansehen. Was ich bislang auch noch nie gemacht habe: Weil ich unsicher war (der Klappentext sagt nicht viel über den Inhalt), las ich in die Leseprobe. Und fand mich in der Geschichte nicht zurecht. Auf Empfehlung einer Bloggerkollegin, deren Buchgeschmack ich vertraue, kaufte ich es dann doch. Ihr seht … wir hatten keinen guten Start.

Und was ist dann passiert?

Ich begann zu lesen. Und stockte nach etwa 50 Seiten. Normalerweise ist das so eine Schwelle, bei der ich das Buch für immer weglege, wenn es bis dahin nicht funkte. Dann las ich von Fraencis Daencis, wie sehr sie das Buch bewegt hat und ihr die Worte fehlen, um das zu vermitteln. Ich wollte das auch! Obwohl ich mir damals schon schwer vorstellen konnte, dass so etwas in dem Buch für mich drin steckt. Ich las also weiter. Und kämpfte.

Warum musste ich kämpfen? 

Es gibt mehrere Gründe, warum mir das Buch nicht zusagt. Alle kann ich damit zusammenfassen: Ich weiß nicht, was mir die Autorin erzählen will. Der Roman besteht aus mehreren Abschnitten. Darin gibt es mehrere Erzählzeiten. Besonders die gegenwärtige gibt mir Rätsel auf. Dann ist da irgendetwas im Schreibstil – ich krieg es nicht richtig zu fassen, aber er erschwert mir das Lesen, verhindert empathische Gefühle zu den Charakteren und stiehlt mein Interesse an der Geschichte.

Und was jetzt?

Ich hab mir in letzter Zeit mehrere Bücher gekauft, auf die ich mich richtig freue, sie zu lesen. Stellt euch ein ungeduldiges Kind vor, dass von einem Bein aufs andere springt, weil es endlich nach draußen will zum Spielen, aber noch den Apfel aufessen soll. Ich hab nun den Apfel halb aufgegessen liegen gelassen und bin nach draußen gerannt.

Ich hab ein Lesezeichen auf Seite 279 von 403 stecken lassen und das Buch Das Licht der letzten Tage in mein Regal zu den fertig gelesenen Büchern gestellt. So etwas hab ich noch nie getan! Doch noch heute bin ich verliebt in das Cover und genau das möchte ich mir immer wieder ansehen. Zwischen mir und dem Roman ist eine nicht ganz einfache Beziehung entstanden. Ich liebe es nicht, hasse es aber auch nicht. Irgendetwas bedeutet es mir. Und darum habe ich wohl mehrere Dinge getan, die ich sonst nie tue.

Etwas Gutes hatte es aber: so schnell und mit so viel Freude, wie jetzt beim neuen Buch, habe ich schon lange nicht mehr gelesen.

2 comments

  1. Julia says:

    Na, es gibt ja Schlimmeres! ;-) Insbesondere wenn man das folgende Buch dann nur so verschlingen kann. Und vielleicht war es auch einfach nur der falsche Zeitpunkt für das Buch und in einigen Jahren greifst du noch einmal danach und es funktioniert mit euch beiden. Wobei es nach diesem Erlebnis wahrscheinlich selbst in ein paar Jahren schwierig sein wird, sich zu motivieren, noch einmal mit dem Lesen zu beginnen.
    Aber schick ist das Cover, keine Frage! :-)

  2. RoM says:

    Bore da, Melissa.
    So manches Mal zeigen uns einzelne Geschichten die kalte Schulter. Kein Beinbruch, denn Drama bleibt für jeden eine persönliche Sache.
    Allerdings scheint Dich das Buch auf einer ebene gefesselt zu haben… ;-)

    Läßt mich an meine Erfahrung mit der Verfilmung von „The Road“ denken. Ein ähnlich „ruhiges“ Endzeitszenario, das einen allerdings zutiefst verstört. Nicht ein zweites Mal würde ich mich damit konfrontieren wollen – aber die Geschichte hat eine Spur in mir hinterlaßen.

    bonté

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