[Friday Classics] Der Zauberberg

Ihr Lieben,
der Freitag dieser Woche kam schlicht viel zu schnell für mich. Dabei wollte ich euch frisch gelesen Die Wahlverwandtschaften von Goethe vorstellen!!
Nun, das hat leider nicht geklappt. Nächste Woche sollte das aber drin sein. Um die Reihe aber nicht aussetzen zu müssen, überspringe ich einfach ein paar Titel (wer hatte eigentlich diese Idee mit der Reihenfolge?!) und stelle euch stattdessen Thomas Manns Der Zauberberg vor!

Zum Autor: Thomas Mann wurde am 6. Juni 1875 in Lübeck geboren.Seine Jugend ist ziemlich unspektakulär, bezeichnete er diese doch selbst als stumpfsinnig. Besonders die Schule schien ihn nicht sehr zu interessieren, so dass er schon früh mit dem Schreiben begann. Die schnellen Erfolge führten dazu, dass er seinen eigentlichen Beruf als Versicherungsvertreter aufgab und an der Technischen Hochschule München Vorlseungen besuchte. Nun wollte er Journalist werden. Er schrieb bei unterschiedlichen Zeitungen mit, veröffentlichte 1901 seinen ersten Roman Buddenbrooks. 1904 lernte er seine spätere Frau Katharine Pringsheim kennen, und entschied sich damit, seine Homosexualität, die in Briefen und Tagebüchern anklingt, nicht auszuleben. Mit dem Aufstieg der NSDAP gehörte Mann zu jenen, die öffentlich gegen die Nationalsozialisten Stellung nahmen. Bald entschloss er sich aber ins Exil zu gehen, zunächst nach Frankreich. Später wanderte er nach Amerika aus, um später in der Schweiz seinen Lebensabend zu verbringen. Er starb am 12. August 1955 in Zürich.
Für Thomas Mann ist es sehr typisch, dass er viele autobiografische Eerfahrungen in Romane und Erzählungen einbaute oder verarbeitete.

Zur Entstehung von Der Zauberberg: Thomas Mann begann bereits 1913 am Roman zu arbeiten. Beendete ihn aber erst 1924. Er ist in der Literaturwissenschaft als Bildungsroman eingestuft, da er sich mit vielen Themen wie Liebe, Tod, Krankheit, aber auch Politik und Philosophie beschäftigt. Privater Anlass zu diesem Roman soll Katia Manns Aufenthalt in Davos gewesen sein, da man bei ihr Tuberkulose diagnostizierte. Ihr Mann hatte sie dort selbst für ein paar Wochen besucht. Thomas Mann schrieb selbst über den Roma: „Hans Castorps geschichte ist die Geschichte einer Steigerung; ein simpler Held wird in der fieberhaften Hermetik des Zauberbergs zu moralischen, geistigen und sinnlichen Abentuern fähig gemacht, von denen er sich früher nie hätte träumen lassen.“ Thomas Mann plante „eine Geschichte mit pädagogisch-politischen Grundabsichten, worin ein junger Mensch sich mit der verführerischsten Macht, dem Tode, auseinanderzustezen hat und auf komisch-schauerliche Art durch die Gegensätze von Humanität und Romantik, Fortschritt und Reaktion, Gesundheit und Krankheit geführt wird…Der Geist des Ganzen ist humorisitsch-nihilistisch…etwas von Zwerg Nase, dem sieben Jahre wie Tage vergehen…“

Rezeption: Beim lesenden Publikum hatte der Roman viel Erfolg und erreicht bereits 4 Jahre nach Erscheinen eine sehr hohe Auflage. Die Einwohner des Sanatoriums erhoben aber viel Kritik, da sie sich in den Figuren unrühmlich wieder, Anklage wurde aber nicht erhoben. Der Verkehrsverein von Davos bestellte aber bei Erich Kästnerm Jahre 1936 einen „heiteren Roman über Davos“, weil „Thomas Manns Zauberberg den Ort in gesundheitlicher Hinsicht in Verruf gebracht hatte.“ Kästner verfasste den in Davos spielenden Zauberlehrling mit Doppelgänger-Motiven und einem Zeus, der Blitze schleuderte. In der literarischen Fachwelt wurde der Roman aber sehr positiv aufgenommen.

Klassiker? Den Titel hat vermutlich beinahe jeder irgendwann schon einmal gehört. Auch Thomas Mann ist beiweiten kein Unbekannter. Ich selbst habe den Roman während meines Masterstudiums gelesen. Besonders die philosophischen und sehr künstlerischen Stellen sind wirklich schwer zu lesen und zu verstehen. Da ist es hilfreich, wenn man in einem Seminar sitzt und alles besprechen kann. Dadurch ist der Roman in meinen Augen absolut keine Freizeitlektüre, die man mal so eben lesen kann. Man muss sich sehr bewusst darauf einlassen und größere Pausen vermeiden, da der Wiedereinstieg besonders in die philosophische Debatte schwerfallen wird.
Dennoch ist der Roman ein absolutes Juwel und wer einen guten Eindruck des späten Thomas Manns haben möchte, der ist mit diesem Roman gut bedient. Bei uns im Studium gab es aber zwiespältige Meinungen: wer Zauberberg mochte, hasste Doktor Faustus und umgekehrt. Wem also Der Zauberberg nicht liegt, versucht es doch mal mit Faustus! Das ist der letzte Roman von Thomas Mann und ebenso intellektuell und philosophisch, nur in eine andere Richtung.
Da man kaum eine Botschaft ohne Einführung oder Hintergrundmaterial herauslesen kann, würde ich diesen Roman in die Kategorie 1 einordnen. Es ist sicherlich nicht verkehrt, von diesem Roman einmal etwas gehört zu haben, lesen muss man ihn aber nicht. Besonders nicht, wenn man kein Literaturwissenschaftler der deutschen Sprache ist. Wer das, so wie ich, studiert, dem möchte ich aber ans Herz legen, es zu versuchen. Man lernt sehr viel über die Wissenschaft des frühen 20. Jahrhunderts und über die damalige philosophische Debatte. Die Geschichte selbst ist auch auf eine skurrile Art anrührend, vor allem der Sprachstil ist hoch interessant. Ich habe sogar eine Hausarbeit über das Thema der Zeit geschrieben. Das aht viel Spaß gemacht, weil man viele Themen in vielen kleinen Abschnitten des Romans finden kann und jeder diese unterschiedlich interpretiert. Sehr spannend, aber auch anstrengend.

Habt ihr Zauberberg schon gelesen? Wie war euer Eindruck? Kennt ihr sonst etwas von Thomas Mann?

7 comments

  1. Anajana says:

    Die Buddenbrooks hab ich geliebt, aber beim Zauberberg bin ich steckengeblieben, eine zu große Pause gemacht und nicht mehr den Anschluss gefunden.

    Ich denke aber auch manchmal, dass es – zumindest bei mir – für die meisten Bücher die richtige Zeit gibt. D. h. ein Buch, welches ich jetzt nicht mehr weiterlesen mag, mir ein anderes Mal vielleicht sehr gut gefällt. Deshalb werde ich den Zauberberg irgendwann noch einmal vom Anfang an lesen, genauso wie Proust.
    Ich behandle die Bücher nicht wissenschaftlich, weil ich sie ja nur zu meinem Vergnügen lese, aber auch dann kann ich dem ein oder anderen Klassiker durchaus was abgewinnen.

    Anna Karenina ist für mich z. B. der schönste Liebesroman schlechthin.

  2. Eule says:

    Da muss ich dir recht geben, manche Bücher brauchen ihre richtige Zeit. Krabat von Ottfried Preußler war da so eines für mich.
    Man muss die Bücher aber auch nicht wissenschaftlich behandeln, ich schätze, dass ist so eine Art Berufskrankheit von mir ;o) Ich kenne aber auch wenige, die den Zauberberg aus Freizeitvergnügen lesen, Kompliment!

    Anna Karenina hab ich auch mal angefangen und wieder weggelegt, vielleicht braucht das Buch auch seine Zeit bei mir. Aber ich hab auch nur schönes darüber gehört…

  3. Maegwin says:

    Den Zauberberg hab ich angefangen, aber nachdem sie auf Seite 130 immer noch im Liegestuhl gesessen haben, die Landschaft beguckt haben und über ihre Krankheiten nachgesinnt haben, hab ich beschlossen, dass meine nächsten Seiten nicht davon handeln werden.

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