[Friday Classics] Die Leiden des jungen Werther

Wie versprochen, starte ich heute die [Friday Classics]. Ich möchte mich bemühen, immer den gleichen Aufbau zu haben. Also dachte ich mir, neben meiner Meinung zum Roman, Essay, Gedicht etc. sage ich kurz etwas zum Autor, zur Entstehungsgeschichte und wenn es geht, auch etwas zur Rezeptionsgeschichte (also wie der Text aufgenommen wird).
Starten werden wir also mit Johann Wolfgang v. Goethes Die Leiden des jungen Werther.

Quelle: http://www.buch.ch/shop/home/artikeldetails/die_leiden_des_jungen_werther_reclam_universal_bibliothek_band_6/johann_wolfgang_von_/ISBN3-15-000067-X/ID2868398.html
Zum Autor: Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28.8.1749 im heutigen Goethe-Haus am Frankfurter Großen Hirschgraben geboren. Auf Wunsch des Vaters begann der junge Goethe eine Jurastudium. Der Vater war selsbt nicht mehr praktizierender Jurist, sondern lebte von seinem Vermögen. Das Pflichststudium in Leipzig begann er schnell zu vernachlässigen und besuchte stattdessen Poetikvorlesungen. Auch übte sich Goethe dort schon ersten Schreibversuchen. Nach einer schweren Krankheit (vermutlich Tuberkulose) setzte er sein Studium 1770 in Straßburg fort. Hier studierte er zwar ernsthafter Jura, lernte aber auch so einflussreiche Persönlichkeiten wie Johann Gottfried Herder kennen, der ihn mit der alten griechischen Literatur vertraut machte. Nach seinem Studium führte er für vier Jahre eine kleine Anwaltskanzlei. Währenddessen begann er aber schon erste Schriftwerke zu veröffentlichen. 1775 gelangt Goethe nach Weimer und gewinnt dort schnell das Vertrauen des Heroges Karl August. So wurde Goethe 1776 Geheimer Legationsrat und Mitglied des Consiliums, des dreiköpfigen Beratergremiums des Herzogs. 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Tätigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfüllung gefunden, seine Beziehung zu Charlotte Stein verlief schwierig und er litt unter den Zwängen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitätskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war und lebte nicht in Übereinstimmung mit sich selbst. So brach er im September 1786 zu seiner berühmten Reise durch Italien auf. Nach seiner Rückkehr ließ sich Goethe von den meisten seiner Pflichten entbinden und leitete stattdessen das Hoftheater Weimar und war beratend an der Universität Jena tätig. Bis zum Tod Schillers im Jahre 1805 verband die beiden eine große Freundschaft und bis heute symbolisieren die beiden Literaten die Periode der Weimarer Klassik. Für Goethe war der Tod des Freundes ein einschneidendes Erlebnis. Danach veröffentlichte er eine Autobiografie und die bekannte Farbenlehre. Goethe starb am 22.3.1832 in Weimar.
Entstehung des Romans: Goethe veröffentlichte den selbst genannten Briefroman bereits 1774. Werther ist damit sein zweiter großer (auch europäischer) Erfolg nach dem Drama Götz von Berlichingen. Goethe beschreibt im Briefroman die unglückliche Liebe des jungen Werthers zu der bereits mit einem anderen Mann verlobten Lotte. 
Die Erstausgabe erschien im Herbst 1774 zur Leipziger Buchmesse und wurde gleich zum Bestseller. 1787 überarbeitete Goethe den Roman, wobei unter anderem das Genitiv-s im Titel entfiel. Der Roman ließ Goethe 1774 gleichsam über Nacht in Deutschland berühmt werden und gehört zu den erfolgreichsten Romanen der Literaturgeschichte. Der Roman ist insofern autobiographisch, da Goethe eine unglückliche Liebe (davon ahtte er einige) im Roman verarbeitet. Auch der Selbstmord Werthers erinnert an den Suizid von Goethes Freund Karl Wilhelm Jerusalem.
Rezeption: Der Roman gilt als Schlüsselroman des Sturm und Drang. Er war für seine Zeit sehr erfolgreich, was Goehte in seiner Autobiografie so erklärt:  „Die Wirkung dieses Büchleins war groß, ja ungeheuer, und vorzüglich deshalb, weil es genau in die rechte Zeit traf.“ Doch der Roman polarisierte auch. So wurde er zugleich geliebt und gehasst. Denn das Thema löste bei den Bürgern Unmut aus, da es den Ehefrieden störe und die junge Bevölkerung zu Rebellen und Freigeistern „erzogen“ würden. Zugleich beschuldigte man den Roman, Goethe, die Jugend zum Selbstmord ermutigt zu haben, sah man sich durch die nach dem Erscheinen des Werthers aufkommende Selbstmordwelle bestätigt. Tatsächlich war der Roman vor allem bei den Jugendlichen ein Kultbuch und Werther wurde als ihr Held gefeiert.So wie heute Harry Potter und Twilight eine ganze Merchandising-Industrie losgetreten haben, geschah es auch bei Werther: seine Kleidung wurde imitiert und es gab auch Werther-Tassen. Szenen aus dem Roman zierten unterschiedliche Porzellane.
Klassiker? Historisch gesehen, gehört Werther ja zu einem der Schlüsselromane des Sturm und Drang. Er hat die ganze Nation bewegt und vor allem die junge Generation stark beeinflusst. Wer also sich in der deutschen Literatur weiterbilden möchte, sollte von diesem Roman schon einmal gehört haben. Wie kaum ein anderer oder viele nach ihm erschienen, spiegelt er den Zeitgeist seiner Zeit wieder. Dabei ist er gut lesbar und verständlich geschrieben. Noch heute kann er der Jugend Werte vermitteln, wenn er gut in der Schule aufbereitet wird.
Für mich ist dieser Roman definitiv ein Werk aus der Kategorie 2 (und 1): Ein Roman, von dem man gehört haben sollte und den es sich lohnt zu lesen. Jeder kann aus diesem Roman etwas mitnehmen, wenn er es schafft, sich von dem Gefühl „Das ist ein Klassiker, das ist Goethe, das ist soooo altbacken, aber ich muss es lesen“ lösen kann. Ich habe den Roman freiwillig und aus Interesse gelesen, da wir ihn in der Schule nicht behandelt haben. Ich hatte ihn schnell durch, was sehr für die gefällige Sprache spricht, in der Goethe seinen Romanerstling verfasst hat. Ich bin sonst nicht soo der Goethe-Fan, aber ich rechne ihm hoch an, dass er ein gutes Gespür für seine Zeit hatte und immer zeitgemäß geschrieben hatte. (Vergleiche dazu den Götz von Berlichingen oder Faust…) Goethe zählt zwar zu dem Repräsentanten der Weimarer Klassik (zusammen mit Schiller), in seinen jungen Jahren war er aber defintiv ein Sturm und Dränger: wie seine Zeitgenossen durchlebte er einige, unglückliche, Romanzen zu verschiedenen Frauen. Man kann also behaupten, Goethe wußte, wovon er schrieb. Die Leiden des jungen Werther ist also ein Stück deutsche Literatur, die aber heute immer noch so aktuell ist, wie zu seiner ersten Veröffentlichung. Themen wie unglückliche Liebe, Selbstmord(-gedanken) und Verzweiflung beschäftigen die Jugendliche damals wie heute.
Anmerkung: Goethes Leben wurde 2010 verfilmte als Goethe!. Der Film war dieses Jahr für den Bambi nominiert. Ich wollte mir den erst nicht ansehen, aber so eine Nominierung motiviert ja doch nochmal.

Nächstes Mal bei [Friday Classics]: Goethes Die Wahlverwandtschaften.

Was haltet ihr von dem Roman?

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