[Friday Classics] Die Wahlverwandtschaften

Und schon ist wieder Freitag. Diesmal hab ich es geschafft, mich mit Goethes Die Wahlverwandtschaften zu beschäftigen.

Quelle: wikipedia.de

Zum Autor: Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28.8.1749 im heutigen Goethe-Haus am Frankfurter Großen Hirschgraben geboren. Auf Wunsch des Vaters begann der junge Goethe eine Jurastudium. Der Vater war selsbt nicht mehr praktizierender Jurist, sondern lebte von seinem Vermögen. Das Pflichststudium in Leipzig begann er schnell zu vernachlässigen und besuchte stattdessen Poetikvorlesungen. Auch übte sich Goethe dort schon ersten Schreibversuchen. Nach einer schweren Krankheit (vermutlich Tuberkulose) setzte er sein Studium 1770 in Straßburg fort. Hier studierte er zwar ernsthafter Jura, lernte aber auch so einflussreiche Persönlichkeiten wie Johann Gottfried Herder kennen, der ihn mit der alten griechischen Literatur vertraut machte. Nach seinem Studium führte er für vier Jahre eine kleine Anwaltskanzlei. Währenddessen begann er aber schon erste Schriftwerke zu veröffentlichen. 1775 gelangt Goethe nach Weimer und gewinnt dort schnell das Vertrauen des Heroges Karl August. So wurde Goethe 1776 Geheimer Legationsrat und Mitglied des Consiliums, des dreiköpfigen Beratergremiums des Herzogs. 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Tätigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfüllung gefunden, seine Beziehung zu Charlotte Stein verlief schwierig und er litt unter den Zwängen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitätskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war und lebte nicht in Übereinstimmung mit sich selbst. So brach er im September 1786 zu seiner berühmten Reise durch Italien auf. Nach seiner Rückkehr ließ sich Goethe von den meisten seiner Pflichten entbinden und leitete stattdessen das Hoftheater Weimar und war beratend an der Universität Jena tätig. Bis zum Tod Schillers im Jahre 1805 verband die beiden eine große Freundschaft und bis heute symbolisieren die beiden Literaten die Periode der Weimarer Klassik. Für Goethe war der Tod des Freundes ein einschneidendes Erlebnis. Danach veröffentlichte er eine Autobiografie und die bekannte Farbenlehre. Goethe starb am 22.3.1832 in Weimar.

Zur Entstehung des Romans: Goethe lebte viele Jahre mit Christiane Vulpius in wilder Ehe, in der sogar ein Sohn geboren wurde. Erst wenige Jahre vor ihrem Tod befreite er Christiane aus der gesellschaftlichen Schande und ehelichte sie. Dies hinderte Goethe nicht daran, eine tiefe Zuneigung zur erst 18 Jahre alten Minna Herzlieb zu entwickeln. Diese Erfahrungen soll Goethe in Die Wahlverandtschaften verarbeitet haben. Es ist sein letzter Roman, mit dem er eine scharfe Gesellschaftskritik seiner Zeit übte. Goethe wollte mit dem Roman zeigen, dass auch die Liebe Natur gegeben ist und man sich ihr nicht entziehen kann. Metaphorisch verknüpft Goethe das chemische Phänomen der Wahlverwandtschaften von Elementen mit der Poesie.

Inhalt: Baron Eduard und seine Frau Charlotte sind zusammen in ihrer zweiten Ehe und sehr zufrieden. Aus persönlichen Neigungen beschließen sie Eduards Freund den Hauptmann Otto und Charlottes freundin Ottilie bei sich im großen Haus aufzunehmen. Schon bald spürt Eduard, dass er sich zu Ottilie hingezogen fühlt und Charlotte interessiert sich für den Hauptmann…

Rezeption: Der Roman ist unter Goethes Zeitgenossen nicht gut aufgenommen worden. Die Kritik an der traditionellen Ehe bzw. den festen Beziehungsformen traf auf völliges Unverständnis.

Klassiker? Der Roman ist aus meiner Sicht deutlich schwerfälliger zu lesen, als Die Leiden des jungen Werthers. Die alterstümliche Sprache, die zu Goethes Zeit allerdings Alltag war, schafft eine gewisse Distanz zum heutigen Leser. Es fällt schwer, sich in die Figuren einzufinden, auch weil die Gefühle und Gedanken der jeweiligen Personen recht ausführlich und zugleich umständlich beschrieben werden.
Die Handlung selbst hat mich sehr angesprochen: die Vier-Ecks-Beziehung ist bis heute eine moderne Problematik und die Auflösung durchaus sehr dramatisch. Die Gesellschaftskritik, die dabei mit anklingt, könnte mit Einschränkungen auch auf die heutige Zeit übertragen werden. Das erklärt auch die Beliebtheit des Romans in Theater und Film.
Das alles könnte den Roman zum Klassiker der Kategorie 2 (ein Roman, den man kennen und lesen sollte) machen. Da die Sprache aber doch gewöhnungsbedürftig ist und den Roman somit nicht zur Freizeitlektüre für zwischendurch macht, würde ich den Roman in die Kategorie 1 stecken: es lohnt sich auf jeden Fall, von diesem Roman gehört zu haben. Immerhin hat Goethe poetisch etwas bis dato recht Einmaliges geschaffen, dass somit zum Paradebeispiel in der Literaturwissenschaft geworden ist. Aber ich denke, man muss ihn nicht zwingend lesen. Ich finde, sich eine Theatervorstellung oder eine Verfilmung dazu anzusehen, ist unterhaltsamer.

Habt ihr den Roman schon gelesen? Wie fandet ihr ihn?

2 comments

  1. Anajana says:

    Ich fand die Sprache gar nicht so sperrig wie ich erwartet hatte und war überrascht, wie aktuell der Roman auch heute noch ist.

    Mir hat Wahlverwandschaften sehr gut gefallen.

    Finde deine „Friday classics“ klasse. Tolle Idee!

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