[Friday Classics] Frau Jenny Treibel

Autor, Entstehung, Rezeption, Klassiker?
Hallo zusammen!
Endlich geht es mit meiner Klassiker-Reihe wieder weiter. Ich hatte völlig unterschätzt, wie viel Zeit sie beansprucht und wie wenig dies mit meiner Schreiberei vereinbar war. Nun ist diese ja nun vorbei, also legen wir gleich wieder los! Für meine neuen Leser, verweise auf die Seite Friday Classics oben im Menü. Dort habe ich noch einmal alles zusammengefasst, was ich mit dieser Reihe beanbsichtige.
Ich wünsche euch viel Spaß!

Zum Autor: Theodor Fontane wurde am 30. Dezember 1819 in Neuruppin als Sohn eines Apothekers geboren. Nach dem Gymnasium besuchte Fontane die Gewerbeschule, brach diese aber 1836 ab, um eine Ausbildung zum Apotheker zu beginnen. Zu dieser Zeit traf er sich schon mit seine späteren Frau Emilie. 1840 nahm er dann auch eine Stelle als Apothekengehilfe in der Nähe von Magdeburg an. Während seiner Ausbildung entstanden schon die ersten Novellen und Gedichte. 1845 heiratete Fontane Emilie, mit ihr hatte er sieben Kinder, von denen aber nur die drei ältesten bereits kurz nach der Geburt oder noch in früher Kindheit verstarben. Nach einigen Ortwechseln und auch seinem Dienst beim Militär beendete Fontane 1849 seine Tätigkeit als Apotheker und widmete sich nun vollends der Schriftstellerei. Diese war zunächst stark politisch geprägt. Ab 1870 arbeitete Fontane als Theaterkritiker. 1874 bis 1876 unternahm er viele Reisen mit seiner Frau. Schrifststellerisch war er sehr produktiv, bis er 1892 an Gehirnischämie erkrankte. Theodor Fontane starb schließlich am 20. September 1898 in Berlin.

Zur Entstehung des Romans: Über die Entstehung ist relativ wenig bekannt. Feststeht jedoch, dass dieser Roman inhaltlich eine Sonderstellung in Fontanes Werken einnimmt. Man vermutet, dass der Anlass zu diesem Roman mit dem Vorabdruck des Romans Irrungen,Wirrungen zusammenhängt. Seine Zeitgenossen zeigten sich sehr empört, dass eine Plätterin ein verhältnis mit einem Adligen hatte. Diese Reaktion zeigte, dass zwar außer- und nebenheliche Verhältnisse in der Realität geduldet wurden, aber die Bürger so etwas nicht in einem Roman lesen wollten. Es wurde also mit zweierlei Maß gemessen.

Inhalt des Romans: Es geht um die Familie Treibel, deren Vorsitz der Kommerzienrat Treibel  und seine Söhne mit Holzfabriken haben. Dem gegenüber steht die Familie Schmidt, angeführt vom Oberhaupt Professor Schmidt. Jenny Treibel, Frau Kommerzienrätin, stammt eigentlich selbst aus einem kleinen Krämerladen, predigt von wahrer Liebe und Gefühlen, misst aber nur mit Geld und Besitz. So zeigt sie sich entsprechend bestürzt, als ihr jüngster Sohn sich mit der Tochter des Professor Schmidts verlobt hat.

Rezeption: Der Roman ist nach seiner Erstveröffentlichung 1892 sehr gut aufgenommen worden. Bis heute gehört dieser Roman nicht zu Fontanes bekanntesten Werken und ist innerhalb seiner Schriftstücke auch ein Sonderling.

Klassiker? Ich habe diesen Roman tatsächlich sehr gerne gelesen. Allerdings muss man sich ganz bewusst auf die Welt des Bürgertums aus dem späten 19. Jahrhundert einlassen. Sonst ist das schmale Bändchen sehr fad und mühsam zu lesen. von den 190 Seiten beschäftigen sich die ersten 140 Seiten allein mit der Darstellung der verschiedenen Familien und ihren politischen, gesellschaftlichen und ideologischen Ansichten. Wenngleich dies manchmal amüsant geschildert ist, so erfordert dies dennoch einen langen Atem seitens des modernen Lesers. Fontane hatte tatsächlich beabsichtigt, aus einer humorvollen Sicht das Bürgertum seiner Zeit in seinen Ansichten zu entlarven. Da man sich aber im 21. Jahrhundert nicht mehr in solch einem Umfeld bewegt, war ich mir manchmal nicht sicher, ob Humor oder Ernst beabsichtigt war.
Die Frage, ob dieser Roman nun ein Klassiker ist, ist schwierig zu beantworten. Möchte man ein Zeitzeugnis des späten 19. Jahrhunderts, so ist dieser Roman sicherlich eine sehr gute Wahl. Ob es allerdings die beste dafür, kann ich nicht sagen. Vermutlich eher die prominenteste, denn immerhin ist Theodor Fontane vielen gut bekannt. So steht nämlich auch Effi Briest auf Reich-Ranickis Liste und kommt nächsten Monat dran! Vielleicht lässt sich dann besser beurteilen, ob Frau Jenny Treibel unbedingt auf die Liste musste… Heute würde ich sagen, dass dieser Roman kein Klassiker der Sorte Sollte-man-gelesen-haben ist, aber vielleicht gehört er zu Kategorie 1 (Klassiker, von denen man gehört haben sollte). Da bin ich mir aber noch nicht sicher.

Nächstes Mal ist also Effi Briest dran! Wer von euch hat den Roman schon gelesen?

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