[Gelesen] Christoph Marzi – Lycidas

Streng genommen stimmt der Posttitel nicht. Denn ich habe dieses Buch abgebrochen. Ich will das Buch nicht im Ganzen schlecht machen, tatsächlich bedaure ich es, dass ich es nicht fertig lesen konnte. Meine liebe Freundin aus Göttingen war Zeugin: ich habe geflucht, gelacht, gegrübelt und immer wieder versucht, weiterzulesen. Aber ihr wisst ja, ich lese keine Bücher zu Ende, die meine inneren Nackenhärchen aufstellen lassen. Warum dies so ist, werde ich euch nun versuchen zu erklären. Für Kommentare und Diskussion bin ich sehr dankbar und offen!
Um dieses Buch handelt es sich:

Verlag: Heyne Verlag
Seiten: 864
Preis: 9,99 Euro
Genre: Fantasy, Jugendbuch, Krimi

Inhalt: Es geschehen seltsame Dinge in London. Im Waisenhaus des grausamen Mister Dombey traut die kleine Emily Laing ihren Augen nicht, als sie eines Morgens in der Küche von einer Ratte angesprochen wird, die sich ihr höflich als Lord Hironymus Brewster vorstellt. Eine Sinnestäuschung? Nein, denn bald darauf bleibt Emily nichts anderes übrig, als an die Existenz von wundersamen Wesen zu glauben – als sie nämlich Zeugin wird, wie ein Werwolf  eines der Mädchen aus dem Schlafsaal für Neuzugänge stiehlt. In Begleitung der Ratte – sowie eines Elfen namens Maurice Micklewhite und des mürrischen Alchemisten Wittgenstein – macht sich Emily auf die Suche nach der verschwundenen Mara. Die Spur führt die Gefährten in die Uralte Metropole, eine geheimnisvolle Stadt unter der Stadt, ein dunkles, gefährliches reich, in dem gefallene Engel hausen und antike Gottheiten über das Schicksal der Menschen walten. Doch was steckt wirklich hinter den Kindesentführungen, von denen London regelmäßig heimgesucht wird? Und wer ist der mysteriöse Herrscher der Uralten Metropole, der sich Lycidas nennt?

Erster Leseeindruck: Der ersten 30 Seiten lesen sich noch sehr schön an. Der Leser wird behutsam in die Geschichte eingeführt. Doch ich wurde schnell stutzig: Ratten und Werwölfe und Elfen in einem Roman? Das kannte ich bislang noch nicht. Ich wurde unsicher, ob es mir gefällt…

Fazit: Wie bereits geschrieben, hat mir das Buch nicht so gut gefallen, als dass ich es fertig gelesen hätte. Dass verschiedenste Fantasyfiguren in einem Roman gebündelt auftauchen, fand ich gar nicht mal so schlimm, wenn es stimmig gewesen wäre.
Ich hatte allerdings zunehmend das Gefühl, dass sich der Autor aus diversen Sagen, Märchen, Religionen und Tradtionen bedient. (Achtung Spoiler!) So ist der Bösewicht ein gefallener Erzengel, sein Handlanger ein ägyptischer Gott und die kleinsten Kämpfer sind Raben. Auf der guten Seite finden sich Elfen, Ratten, und Wechselbälger. Die Rahmenhandlung erinnert an Romeo und Julia, und berühmte Dichter und Denker Englands wurden vom Geist des Bösewichts heimgesucht, waren also nicht sie selbst. (Spoiler Ende!) Neben den Figuren kämpfte ich auch immer wieder mit dem Sprachstil. Der Roman wird aus der Perspektive Wittgensteins erzählt, der das Geschehen rückblickend nacherzählt. So tauchen, vor allem im Buch II, immer wieder Zeitsprunge auf, die so klein sind, dass es verwirrend ist: in der Geschichte springt der Erzähler immer wieder zwischen Vergangenheit und Gegewart, die nur wenige Stunden auseinanderliegt, hin und her. Der Abstand ist so klein, dass ich manche Absätze mehrmals lesen musste, um mich zurecht zufinden.
Zurechtfinden oder einfühlen konnte ich mich leider auch nicht in das Setting. Die Ortsbeschreibung sind sehr vage gehalten und manchmal auch nicht in sich stimmig. Das führte dazu, dass ich nachgelesen habe, ob der Autor aus England stammt. Tut er nicht. Er lebt in der Eifel. Ich bildete mir irgendwann, dass man das im Roman lesen kann: London wirkte nicht plastisch genug und die Uralte Metropole war auch nicht schön ausgemalt. Diese merkwürdigen Beschreibungen finden sich auch in Bezug auf die Figuren. Hier ein kleines Beispiel:

„Mr. Fox und Mr. Wolf sahen beide aus wie Rowan Atkinson mit gelben, raubtierhaften Augen. Mr. Wolf hatte das schwarze Zottelhaar zu mehreren langen Zöpfen gebunden, Mr. Fox trug die hellbraune Mähne mit der weißen Strähne schulterlang und offen.“

Atkinson hat meines Wissens nach keine langen Haare, so dass die einleitende Beschreibung mit dem Verweis auf Mr. Bean ziemlich hinkt. Oder sehe ich das zu eng?

So, nun habe ich genug gemeckert. Ich hatte trotzdem immer wieder weitergelesen, da die Geschichte an sich, abgesehen von all diesen Unzulänglichkeiten irgendwie spannend war. Aber der Sprachstil und die eigenartigen Verknüpfungen aus den verschiedenen Mythen und Geschichten waren mir einfach irgendwann zu hanebüchen. Ich habe mich zwischendurch immer wieder gefragt, ob ich zu kritisch bin, da mein Lesestil sich tatsächlich durch mein Studium verändert hat.

Wie hat euch der Roman gefallen?

One comment

  1. Nadja says:

    Ich mochte ihn damals, als ich ihn als Kind gelesen habe, nicht. Vielleicht hatte ich die gleichen Kritikpunkte, allerdings kann ich mich nicht mehr gut erinnern…

    Liebe Grüße
    Nadja

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