[Gelesen] Diana Menschig – So finster, so kalt

Dieses Buch lag jetzt fast ein halbes Jahr auf meinem SuB. Aber es passt perfekt in die kalte Jahreszeit. Deshalb erzähle ich euch jetzt etwas darüber.

sofinstersokalt

 

Verlag: Knaur Taschenbuch
 Seiten: 380
 Preis: 8,99 Euro
 Genre: Thriller, Märchen

 

 

 

 

INHALT Nach dem Tod ihrer Großmutter findet Merle im Nachlass ein historisches Dokument. Darin erzählt ein gewisser Hans von merkwürdigen Ereignissen rund um seine Schwester Greta. Doch warum hat Merles Großmutter dieses Dokument? Hat es etwas mit ihrem alten Haus zu tun? Als schließlich aus der Ortschaft Kinder verschwinden und Merle schreckliche Alpträume plagen, beschließt sie der Sache auf den Grund zu gehen.

MEINE ERWARTUNGEN Ich hatte viele gute Rezensionen zu diesem Buch gelesen und nachdem mir Daniele Winterfeld Der geheime Name so gut gefallen hatte, war ich neugierig auf eine weitere Märchenadaptation für Erwachsene.

MEINE EINDRÜCKE Nach einem Rezept zu Lebkuchenmännlein (die eine Schlüsselrolle in dem Roman haben) startet der Roman recht spannend. Der Leser begleitet drei Kinder, wie sie – gegen alle Ermahnungen – in den Verbotenen Garten schleichen. Das Mädchen Ronja fühlt sich auch sogleich unbehaglich, obwohl ja nur ein alter Baum zu sehen ist. Doch sie werden beobachtet, da ist sich Ronja sicher. Dann wechselt die Geschichte zu Merle, aus deren Perspektive eine ganze Weile lang erzählt wird. Merle ist Anfang 40, Rechtsanwältin in Hamburg und sehr mit dem irdischen Leben verwurzelt. Für sie gibt es eigentlich nur noch die Arbeit. Umso mehr schockiert sie die Nachricht vom Tod ihrer Großmutter, die im Schwarzwald lebt. Zudem plagen sie seit einigen Tagen Albträume.

Die Großmutter war in ihrem Dorf als Märchenerzählerin bekannt. So verwundert es Merle auch nicht, als sie im Nachlass ein historisches Dokument findet, dessen Inhalt entfernt an Hänsel und Gretel erinnert. Denn Oma Mago hat auch Märchenforschung betrieben. Merle findet zudem heraus, dass ihre Großmutter wohl eine Verbindung zwischen dem Hans aus dem Dokument und ihrer Familie sah. Und so beschließt Merle, Ahnenforschung zu betreiben. Bis plötzlich Kinder verschwinden…

Lange Zeit bleibt der Roman recht wage. Es ist zwar spannend, wie Merle nach und nach versucht zu enträtseln, ob das Dokument echt ist, ob es eine Verbindung zu dem Märchen Hänsel und Gretel hat und ob es wirklich auch eine Verbindung zu ihrer Familie gibt. Bei der Suche unterstützt sie Jakob Wolff, Germanist und Angestellter der Univerität Freiburg. Zwischen den beiden entspinnt sich eine knisternde Beziehung, die gefährlich zu werden scheint, als Jakob sich merkwürdig verhält. Und dennoch zieht die Handlung nur sehr langsam an. Die Erzählung wechselt immer mal wieder zu Hans aus dem Dokument. Interessant und spannend ist das aber nur so lange, bis man sich auf das Mystische eingelassen hat. Dann lässt die kribbelnde Anspannung etwas nach.

Es kommen noch weitere Charaktere hinzu, die alle eine wichtige Position im Roman einnehmen. Jeder von ihnen ist so unterschiedlich, dass man sie schnell auseinander halten kann. Später wechselt ab und zu die Erzählperspektive. Das machte mich beim ersten Mal stutzig, passt aber gut in die Handlung und treibt die Geschichte voran.

Es gibt eigentlich nur einen Makel: So gruselig spannend wie Der geheime Name ist der Roman von Diana Menschig nicht. Denn hat man sich einmal auf das Märchenhafte in der Geschichte eingelassen, gibt es nur noch wenig Überraschungen. Es ist interessant, aber die Spannung steigert sich dadurch kaum noch.

FAZIT Ein gutes Buch, das ich gerne gelesen habe. Es passt perfekt in die trübe Jahreszeit, ist spannend und unterhaltsam. Das Märchenhafte in der Geschichte ist gut herausgearbeitet. Aber hat man als Leser einmal akzeptiert, dass es in der Realität auch Märchenhaftes geben kann, birgt der Roman nur noch wenig Überraschungen und Spannungssteigerung. Es ist dadurch für mich weniger ein Thriller als eher ein spannendes, gut geschriebenes Buch. Lesenswert ist es auf jeden Fall!

4Eulen

 

2 comments

  1. RoM says:

    Bore da, Melissa.
    Bekannten Geschichten einen moderneren Ansrrich, oder gar neue Perspektiven zu geben, ist doch per se interessierend.
    Zurecht – wie mir in der Buch- wie Filmwelt zuletzt aufgefallen ist. BBCs „Sherlock“ funktioniert hier bestens und Marissa Meyers SF-Märchen reizen mich schon seit längerem.

    Irgendwie erzählt jede Generation die klassischen Stories mit ihren Augen.

    bonté

  2. Hanne says:

    Liebe Melissa, wieder ein Buch mehr auf meiner WuLi. Auch Daniele Winterfelds werde ich mir merken.
    Nun habe ich eine Lösung gefunden und werde deinen Blog per Mail verfolgen. Auf FB lesen wir uns ja eh…
    Liebe Grüße Hanne

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