[Gelesen] Henning Schöttke–Acedias Traum

Es ist ausnahmsweise mal kein Bestseller, kein total bekanntes Buch, das ich hier bespreche und dennoch… ich kann und möchte dieses Buch empfehlen. Es ist übrigens ein Rezensionsexemplar.
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Verlag: Stories&Friends Verlag
Seiten: 298
Preis: 18,90 Euro
Genre/Thema: Lebensgestaltung, Träume, Geschichte

 

 

 

KLAPPENTEXT Acedia ist eine erfolgreiche Journalistin. Ihr Traum ist es, als Auslandskorrespondentin in New York zu arbeiten. Doch sie merkt weder, wie ihre Familie leidet, noch schenkt sie eigenen Bedürfnissen genügend Aufmerksamkeit. Sie ignoriert ihre physischen Grenzen, für Muße und Schlaf fehlt ihr die Zeit. Die Freundin aus Schultagen schafft, was sie nicht schafft. Anfang September 2001 tritt Petra eine Stelle in einer New Yorker Anwaltskanzlei an. Ein Büro im World Trade Center… Acedias Traum.
MEINE ERWARTUNGEN Der Klappentext hat mich neugierig gemacht. Es klang interessant und die brisante Komponente mit dem World Trade Center ließ mich vermuten, dass es sehr realistisch erzählt wird.
MEINE EINDRÜCKE In drei Abschnitte eingeteilt erzählt das Buch die Lebensgeschichte von Acedia. Begonnen am Ende ihrer Schulzeit bis hin zum fortgeschrittenen Erwachsenenalter. Dabei gibt der Autor zunächst einen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt anderer Personen, die, wie sich später herausstellt, einen wichtigen Platz in Acedias Leben einnehmen. Zu den Wendepunkten ihres Lebens kehrt der Autor aber stets zu Acedias selbst zurück.
Hierbei ist der Schreibstil das tragende Moment. Das Buch ist wirklich schön geschrieben: leicht lyrisch, aber leichtfüßig, sehr authentisch auch in der wörtlichen Rede. So wirkt alles real, als ob es diese Lebensgeschichte tatsächlich gibt. Nichts wirkt fiktiv oder überzeichnet.
Und das ist auch die Tragik an der Geschichte. Denn während der Leser Acedia durch ihr Leben begleitet, fragt er sich schon hin und wieder, warum sie so verbissen ist und dabei ihre Gesundheit derartig aufs Spiel setzt. Besonders die Szenen während ihres Studiums haben mich berührt. Viele Studierende werden sich hier sicherlich wieder erkennen.
Denn die Figuren wirken alle sehr glaubhaft. Sie sind keine Superhelden, sondern ganz normale Menschen, mit Träumen, Wünschen, Schwächen. Auch hier wirkt die Geschichte absolut real, als würde sie sich nebenan im Hause abspielen.
Um das Thema des Buches besser erklären zu können, muss ich nun (leider) etwas Literaturwissenschaftlicher werden. Ich habe am Ende des Buches gesehen, dass Acedias Traum der zweite Band einer 7-teiligen Reihe ist. Henning Schöttke hat jedem Band eine Todsünde gewidmet. Acedia steht für die Todsünde der Faulheit und Trägheit. Dem Klappentext kann man entnehmen: träge und faul ist Acedia nun wirklich nicht. Und das ist der eigentliche Kniff an der Geschichte: erst als sie zur Ruhe gezwungen wird, begreift sie wirklich, wie sie ihr Leben gelebt hat, was sie sich wünscht und was vielleicht nicht gut lief.
FAZIT Dieses Buch regt zum Nachdenken an. Zum Nachdenken über sich selbst und die eigene Lebensgestaltung. Dabei geht Schöttke so geschickt vor, dass man während des Lesens ganz in der Geschichte versunken ist und sie hinterher noch Tage mit sich herumträgt. Diese feinfühlige Gesellschaftsstudie ist so gut beobachtet und dabei wirklich schön geschrieben, dass man gar nicht merkt, dass es vielleicht um den Leser selbst geht. Einzig der Beginn des Buches war ein wenig träge. Denn da es keine reine Unterhaltsliteratur, aber auch noch keine “Hohe Literatur” ist, ist es ein ungewöhnlich es Buch. Und darauf muss man sich erst einmal ein paar Seiten lang einstellen.
Ich gebe zu, der Preis des Buches ist hoch, aber es ist auch ein kleiner Verlag und mit Henning Schöttke hat er offensichtlich –für mich- einem guten Autor eine Plattform gegeben. Jetzt sollte er gelesen werden.

4Eulen

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