[Gelesen] Jenni Fagan–Das Mädchen mit dem Haifischherz

Vor einiger Zeit bekam ich Überraschungspost. Sie machte mich sehr neugierig und ich freute mich aufs Lesen… danke an den Kunstmann Verlag für das Zusenden des Romans!!

DasMädchenmitdemHaifischherz

 

Verlag: Kunstmann Verlag
Seiten: 331
Preis: 19,95 Euro
Genre/Thema: Jugendbuch, Fantasy, Erwachsenwerden

 

 

 

KLAPPENTEXT Anais Hendricks ist fünfzehn und sitzt auf dem Rücksitz eines Polizeiautos. Ihre Schuluniform ist blutverschmiert, und am anderen Ende der Stadt liegt eine Polizistin im Koma. Doch Anais kann sich da an nichts erinnern. Jetzt ist sie auf dem Weg ins Panoptikum, einer Besserungsanstalt für schwer erziehbare Jugendliche, die für das Waisenkind am Ende einer langen Kette von Heimen und Pflegefamilien steht. Während Anais sich mit Mut und Fantasie durch ein Leben boxt, das ihr einen Schlag nach dem anderen versetzt, findet sie in den anderen Jugendlich des Panoptikums fast so etwas wie eine Familie. Eine Familie, die sich ihre eigenen Mythen und Legenden schafft und deren Bande stärker sind als das System, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt. Es sei denn du hast ein Haifischherz und Freunde, die dir helfen, ihm zu folgen…

MEINE ERWARTUNGEN Ich freute mich auf Fantasie, Witz, Spannung. Eine gute, interessante Jugendgeschichte mit einer Spur Mord und Thrill.

MEINE EINDRÜCKE Ich habe euch den Klappentext mit Absicht abgetippt. So bekommt ihr den besten Eindruck davon, welchen Eindruck ich vom Buch hatte, bevor ich es aufschlug. Klingt doch interessant, was da steht oder?

Und es ist genau auch die beschriebene Szene, mit der Jenni Fagan in ihren Roman einsteigt. Anais ist auf dem Weg ins Panoptikum, träumt vor sich hin und lässt zwischendurch einen Teil ihrer Vergangenheit Revue passieren. Im Jugendheim angekommen, treffen wir auf sehr individuelle Figuren: Heimbewohner, von denen jeder für sich einen sehr eigenwilligen Charakter hat, und Betreuer, mal mehr oder weniger alternativ geprägt, bilden eine Art eigenwillige Familie. Anais fügt sich nur widerwillig ein. Doch dann lernt sie, dass die anderen Jugendlichen eigentlich gar nicht so blöd sind und mit den Betreuern kommt sie auch mehr und mehr zurecht. Warum es erst in diesem Heim klappt und in den vielen anderen zuvor nicht, bleibt im Dunkeln verborgen.
Neben dem Eingewöhnen im Heim geht es auch, wie schon im Klappentext erwähnt, um die im Koma liegende Polizistin. Anais wird Totschlag vorgeworfen, doch sie kann sich an nichts erinnern…. und das ist nicht ungewöhnlich, denn Anais nimmt beinahe jede Art von Drogen, die man sich vorstellen kann. Sie ist eigentlich fast nie nüchtern oder bei klarem Verstand.

Bis ich das verstanden hatte, dauerte es etwas. Dann konnte ich auch viele andere Elemente in der Geschichte besser einordnen. Und auch die Sprache, in der die Jugendlichen kommunizieren, passt dazu. Ich hab noch nie ein Buch gelesen, das so viele Schimpfworte, Fäkalworte oder andere respektlose Begriffe verwendet hat. Vielleicht ist das Authentizität, denn ein Teil der Jugendlichen heute redet vermutlich tatsächlich so. Mir hat es die Figuren allerdings nicht näher gebracht. Ich fühlte mich manchmal sogar abgestoßen.
Ebenfalls befremdlich war mir Anais’ Verhalten. Ja, sie hat eine schwierige Vergangenheit und auch ihre Gegenwart ist auch alles andere als einfach. Und mit 15 steckt man unter Umständen wohl auch noch tief in der Pubertät und verhält sich nicht immer rational. Aber nachvollziehen konnte ich manche Handlungen dennoch nicht. Zudem hat die Geschichte selbst kaum einen Spannungsbogen. Ich hab es zwar relativ schnell durchgelesen, was wohl auch an der einfach Sprache lag, aber vor allem eher daran, dass ich fertig werden wollte, weiterkommen wollte, in der Hoffnung, dass es einen Wendepunkt eine Wandlung gibt.

Ich habe leider bis heute nicht verstanden, was mir diese Geschichte erzählen soll: eine Geschichte über das Erwachsenwerden? Einfach nur ein kreativer, künstlerischer Roman? Ich schaue auf das Buch und bin ratlos. Es ist nicht das, was ich erhofft hatte. Ganz und gar nicht.

FAZIT Ich kann nicht sagen, dass der Roman mies ist. Aber gut finde ich ihn auch nicht. Ich würde ihn niemandem empfehlen wollen, schon gar nicht Jugendlichen. Das, was dort beschrieben wird, ist einfach irgendwie verstörend und befremdlich. Betrachtet man den Roman als Kunst, dann gehört er auch nicht in alle Jugendhände, denn nicht alle würden das verstehen. Ich bin offen für Anregungen und Diskussionen! Vielleicht könnt ihr mir ja eine neue Perspektive auf den Roman eröffnen.

2Eulen_thumb… und eine halbe Eule

10 comments

  1. Anja Druckbuchstaben says:

    Bis eben war ich noch der festen Meinung, dass ich das Buch unbedingt lesen muss. Ich habe mir Inhalt und Umsetzung ein wenig anders vorgestellt muss ich zugeben. Ich bin immer noch neugierig, aber ich werde wohl meine Erwartungen deutlich runterschrauben. Ansonsten tolle Rezi! Deine Bewertung ist absolut nachvollziehbar.

    LG
    Anja

  2. Julia says:

    Ja, der Klappentext klingt wirklich sehr interessant und da hätte ich auch direkt Lust gehabt das Buch zu lesen. Nach deiner Rezension denke ich aber, dass mir das Buch ebenso wenig wie dir gefallen wird. Ich habe erst letztens ein Hörbuch gehört, in dem eben auch sehr viele Schimpf- und Fäkalworte verwendet wurden und es war einfach absolut nicht meins.

    • Melissa G says:

      Daran hatte ich mich, schlimmerweise, fast irgendwann ein bisschen gewöhnt. Aber der Inhalt hat mir auch nicht gut gefallen. Ich bin bis heute irgendwie verwirrt…

  3. RoM says:

    Grüß Dich, Melissa.
    Ein Zuhause ist doch immer der sicherste Hafen, nach jeder Reise. Welcome back!

    Ich denke, Jenni Fagans Debüt ist ein autobiographisch gewichteter Roman über das Verunmöglichen einer Kindheit. Durch Erwachsene. Erwachsene, die ein Kind als Zahl, Nummer, Problemfall, cash cow oder Hindernis sehen. Nicht aber als menschliches Wesen an sich.
    In der direkten Härte weit weniger die Schiene des Young-adult-Genres – worauf der hiesige Verlag wohl setzt. Definitiv eher die Trifft-den-Nagel-auf-den-Kopf-Literatur britischer Realitäten.
    Mehr Oliver Twist als Peter Pan, denke ich.

    bonté

    • Melissa G says:

      Unter diesem Gesichtspunkt wird der Roman sicherlich interessanter und verständlicher. Dann finde ich es nur um so bedauerlicher, dass der Verlag auf eine andere Marketing-Schiene setzt. Zumal man nicht ohne genauere Recherchen auf Anhieb selbst darauf kommt.
      Aber so betrachtet ist der Erfolg des Buches in England besser nachzuvollziehen.

      Danke dir für den Fingerzeig.

    • RoM says:

      …“The Panopticon“ hat auch in der Originalausgabe weitaus treffendere Cover-Versionen vorzuweisen.
      Daß das Zwängen einer Story in eine eben oportun erscheinende aber falsche Schiene wie Sand im Getriebe wirkt, scheint immer wieder aufs Neue erlernt werden zu müssen.

      Denke ich weiß wem ich die Schottin anempfehlen könnte – merci auch von meiner Seite, für eine offene Kritik.

      bonté

  4. Sabine says:

    Hallo Melissa,
    tolle Rezi – und ich kann dich gut verstehen. Ich habe dem Buch sehr knappe 3 Sterne gegeben, vor allem auch wegen der Sprache, die mich beim Lesen sehr gestört hat. Und mich hat auch dieses „ständig auf Droge sein“ gestört. Einzig positiv fand ich im Verlauf der Geschichte das Zusammenhalten der Bewohner. Interessant ist aber der Aspekt des Autobiographischen – so hab‘ ich das Buch auch noch nicht betrachtet. Dennoch – ich würde es auch nicht weiter empfehlen.
    LG Sabine

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