[Gelesen] Julie Cross–Sturz in die Zeit

Das erste Mal hatte ich das Buch auf der Frankfurter Buchmesse gesehen. Und ich war total neugierig darauf, denn es schien ein sehr begehrtes Buch zu sein. Kurz danach, meine ich, regnete es begeisterte Rezensionen in der Bloggerwelt.
Ich wollte mir das Buch nicht kaufen, denn ehrlich gesagt, ist es mir mit knapp 17 Euro zu teuer. Zudem war ich mir nicht sicher, ob die Thematik mir wirklich zu sagt. Zeitreisengeschichten mag ich in Filmen sehr gerne (man denke an Zurück in die Zukunft, Inception, Jumper, Looper), aber geht das auch in Büchern gut?

 

Verlag: FJB/S. Fischer Verlag
Seiten: 492
Preis: ca. 17 Euro

Genre: Dystopie, Jugendbuch, Zeitreisen

 

 

 

 

 

 

 
INHALT Jackson ist eigentlich ein ganz normaler 19-jähriger Teenager. Bis er entdeckt, dass er ein paar Stunden zurück in der Zeit reisen kann. Nun beginnt er, mit seinem Freund Adam herauszufinden, welche Gesetzmäßigkeiten dahinterstecken. Doch noch ist alles ein Spiel… bis bewaffnete Männer Jackson und seine Freundin Holly überfallen und Holly töten. Vor lauter Panik springt Jackson in die Zeit zurück. Aber diesmal sind es nicht wenige Stunden vor dem Ereignis, sondern zwei Jahre. Und er kann nicht wieder zurück. Von da an hat er nur noch eines im Sinn: irgendwie den Weg zurück schaffen und Holly retten!

MEINE ERWARTUNGEN Kurz gesagt: ich wollte eine spannende, aufregende Geschichte rund um das Thema Zeitreisen.

MEINE EINDRÜCKE Der Anfang des Romans liest sich schon sehr interessant. Wir erleben, wie Jackson mit dem Zeitreisen experimentiert. Er fragt sich zwar, warum er das kann, aber er macht sich keine bösen Gedanken dazu. Dies kippt schnell um, als er mit ansehen muss, wie seine Freundin Holly getötet wird. Von jetzt an überschlagen sich die Ereignisse…ziellos und verzweifelt springt er in der Zeit umher. Und genauso wie er ist auch der Leser verzweifelt und ziellos.
Aufgrund der vielen Sprünge zu Beginn der Geschichte fehlt es ein wenig an Orientierung. Zudem weiß der Leser genauso wenig wie Jackson, wie das Zeitreisen bei ihm funktioniert. Und so fachsimpelt er zusammen mit seinem Freund Adam darüber und stellt allerlei Theorien auf. Diese tragen aber nicht zum Verständnis bei, sondern verwirren noch mehr.
Man könnte meinen, das wäre die Absicht der Autorin gewesen: Der Leser fühlt sich genauso wie der Protagonist: ratlos, verzweifelt, verunsichert. Ein geschickter Schachzug…. mir hat es aber nur wenig Lesevergnügen bereitet.
Zudem tauchen nach und nach immer mehr Figuren auf, von denen man ahnt, dass sie wichtig sein könnten, aber sie lassen sich nicht richtig einordnen: wer sind sie? welche Rolle spielen sie? Auch damit ist man so schlau wie Jackson. Nur diese Unsicherheit und Unwissenheit zieht sich so lange hin, dass ich bald die Lust und den Überblick verlor.
Aber auch Jackson selbst wird erst zum Ende der Geschichte hin wirklich greifbar. Zu Beginn konnte ich mir kein rechtes Bild von ihm machen, da er nicht nur vor seiner Freundin seine Gefühle verbirgt, sondern auch vor dem Leser. So konnte ich auch nur schwer mit ihm mitfühlen.
Hat man einmal verstanden, worum es geht, dann ist die Geschichte eigentlich sehr interessant. Die Thematik der Zeitreisen ist wirklich spannend aufgebaut und auch die vielen Andeutungen im Roman machen neugierig. Zumal Sturz in die Zeit ja der Auftakt zu einer Trilogie sein soll. Am Ende bleibt wirklich vollkommen offen, was im nächsten Teil passieren könnte.

FAZIT Trotz der eigentlich wirklich interessanten (Hintergrund-)Geschichte konnte mich der Roman nicht mitreißen. Er ist nicht schlecht oder total langweilig, aber es fehlte ihm an Tiefe. Die Figuren sind alle (einschließlich des Protagonisten) nur oberflächlich angelegt, die Handlung ergeht sich in vielen Andeutungen und der Leser wird mehr verwirrt als mitgenommen. Sturz in die Zeit ist ganz offensichtlich ein Prolog zu etwas Weiterem. So bleibt nur zu hoffen, dass der zweite Teil mehr bietet. Ich werde diese Trilogie allerdings nicht streng weiter verfolgen.

Habt ihr das Buch schon gelesen? Interessieren euch solche Zeitreisengeschichten?

2 comments

  1. RoM says:

    Servus Melissa.
    Zeitreisen werden von „nüchtern denkenden“ Menschen liebend gern als Unfug klassifiziert, zumal das Großvater-Paradoxon dann immer flux bei der Hand ist. Tatsache bleibt aber, daß sich mit der Idee der Zeitreise wunderbare Geschichten erzählen laßen („Sarah Connor Chronicels“).

    Der vorliegende Roman von Julie Cross scheint unter dem Manko zu leiden, daß die vorhandene Story zur Trilogie aufgeblasen ist. Wie Du anmerkst, gibt es jede Menge „Füllmaterial“ zu durchackern.
    Wenn dann selbst die zentrale Figur unnahbar, unverständlich bleibt, hält sich der Genuß in sichtlichen Grenzen.

    Yep – ‚Inception‘ ist ein geniales Stück Kino!

    bonté

    • Melissa says:

      Tatsächlich habe ich bei meinen letzten Zeitreisen-Erfahrungen, egal ob Bücher oder Filme, zum Glück nicht immer nur das Großvater-Paradoxon gesehen. Das wäre ja wirklich öde.
      Ich denke bei diesem Roman ist das größte Manko wirklich, dass es bloß der erste Teil von dreien ist und somit wenig Inhalt bekommen hat. Ein leidiger Trend derzeit.

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