[Gelesen] Kerstin Pflieger – Der Krähenturm

Die liebe Bibliophilin hatte vor einiger Zeit auf ihrem Blog angefragt, wer denn Lust hätte, zu einigen Büchern eine Gastrezension zu schreiben. Bei ihrer Auswahl sprach mich spontan Der Krähenturm von Kerstin Pflieger an. Also meldete ich mich freiwillig…
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Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 480
Preis: 12,99 Euro
Genre: Historisch, Krimi, Fantasy














Klappentext: Heidelberg 1771: Ein Hexenjäger, ein Halbvampir und eine mysteriöse Mordserie, die den Menschen das Blut in den Adern gefrieren lässt – Wenn du dieses Buch findest, bin ich vermutlich tot. Als Icherios Ceihn das Tagebuch seines ermordeten Freundes in den Händen hält, ist er entsetzt. Hatte Vallentin gewusst, dass man es auf ihn abgesehen hat? Warum hat er verheimlicht, dass er für den geheimen Orden der Rosenkreuzer arbeitete? Hat dieser etwas mit seinem Tod zu tun? Icherios entschließt sich, im Auftrag des Ordens nach Heidelberg zu gehen und nach Vallentins Mörder zu suchen. Was ihn dort allerdings erwartet, hätte nie für möglich gehalten.
Erster Leseeindruck: Das Buch beginnt nicht mit Icherios, sondern mit einem der anderen Figuren. Aber es ist von der ersten Seite an spannend und eindringlich. Neugierig las ich weiter, was wohl noch so alles im scheinbar so aufgeklärten Deutschland des späten 18. Jahrhunderts passiert ist…
Meine Meinung: Als Dorota einige Bücher für Gastrezensionen zur Auswahl stellte, sprach mich spontan das Cover von Der Krähenturm an: es ist geheimnisvoll, mystisch und zugleich fantasievoll. Diese Eigenschaften lassen sich auch alle auf den Inhalt des Buches übertragen.
Kerstin Pflieger schafft in Der Krähenturm eine fantastische Welt, die es eigentlich in der Zeit der Aufklärung und dem Beginn der Moderne nicht mehr geben dürfte. Im Schatten leben Vampire, Halbvampire, Hexen und andere fabelhafte Wesen mehr oder weniger friedlich unter den Menschen. Doch plötzlich treten diese Wesen aus dem Schatten heraus und bedrohen die Menschen. Was geschieht da?
Die Kirchenglocken erklangen plötzlich mit einem lauten Getöse und schienen die Stadt daran zu erinnern, sich an Gottes Gebote zu halten.
Auch der Protagonist Icherios glaubt an die Welt der Aufklärung und nicht an die Welt der Magie. Umso schwieriger ist es für ihn zu begreifen, dass sein Mentor ein Vampir und er selbst kein vollständiger Mensch mehr ist. Auch sein bester Freund scheint sich mehr in diesen dunklen Schatten bewegt zu haben, als im Lichte der Aufklärung. So begibt sich Icherios im Kampf mit seinem zweiten Ich auf die Suche nach dem Mörder seines Freundes. Damit betritt er die Welt der Magie.
Dieses Konzept war für mich ungemein fesselnd und spannend. Kerstin Pflieger gelingt es auf faszinierende Weise das historische Heidelberg mit den mystischen Fabelwesen aus Märchen, Sagen und Horrorgeschichten zu verbinden. Wie gut sie dabei recherchiert haben muss, zeigt sich an dem flüssigen Schreibstil, dem stimmigen historischen Bild von Heidelberg und den fantasievoll ausgestatteten Figuren. In diesem Roman findet sich für beinahe jeden Leser etwas: Krimi, Fantasy, Historie und auch ein bisschen Liebe.
Die Handlung selbst wird allerdings aus vier verschiedenen Perspektiven geschildert. Zwar überwiegt der Anteil von Icherios bei weitem, dennoch musste ich immer wieder stutzen, als nach und nach die übrigen Figuren hinzutraten. Sie sind in der Geschichte keine Unbekannten mehr, wenn man ihre Sicht der Dinge erfährt. Dennoch fragte ich mich spontan, welche Motivation dahintersteht, so viele Perspektiven einzubeziehen. In erster Linie hat es natürlich Spannung erzeugt, da der Handlungsstrang so aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet wird. Allerdings wird dieses Verfahren der Autorin am Schluss doch zum Verhängnis: im großen Finale sind es schlicht zu viele Figuren, so dass eine plötzlich von der Bildfläche verschwindet. Immer wieder habe ich zurückgeblättert, um mich zu vergewissern: aber die Autorin hat die Figur einfach an einer Stelle ohne Begründung stehen lassen. Auch werden durch die vielen Perspektiven an anderen Stellen mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Es schlich sich der Verdacht ein, dass hier Geschichten und Figuren eingeführt werden, die in einem anderen Buch eine Hauptrolle bekommen. Das hat ein wenig den Fokus von der eigentlichen Handlung genommen, weswegen ich auch mehrfach den Klappentext las, um mich daran zu erinnern, worum es in Der Krähenturm eigentlich gehen sollte.
Doch auf einmal konnte er sehen, wie sich in der Ecke etwas bewegte. Seine Hand, die eine Kerze hielt, fing zu zittern an. Der Schatten selbst schien zum Leben zu erwachen und schoss plötzlich auf Icherios zu.
Trotz dieser Schwächen war der Roman durchweg interessant. Hat man die erste Hälfte mit der langsamen Einführung in die Handlung geschafft, wird es mehr und mehr spannend. Dieses Buch zeigt das große Potential und die beinahe unerschöpfliche Fantasie der Autorin. Ich bin sehr gespannt, was man noch alles von ihr zu lesen bekommen wird! Solange kann ich euch diesen Roman nur ans Herz legen: Er bereitet ein großes Lesevergnügen mit ein wenig Spannung und eine großes Portion Fantasy.
Kennt ihr Romane von Kerstin Pflieger oder ähnliche Geschichten?

One comment

  1. Christine says:

    Klingt sehr interessant! Mir fällt kein Buch ein, dass ähnlich sein könnte. Aber ich werde mir das Buch im Hinterkopf behalten. Ich wollte dir vor allem für deinen sehr lieben Kommi bedanken!
    Liebste Grüße
    Christine

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