[Gelesen] Mark Neustädter – Die Spur der Tränen

Nachdem ich meine Etappen der Leserunde beendet habe, kommt hier die Rezension!

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Verlag: Sieben Verlag
Seiten: 333
Preis: 12,90 Euro
Genre: Krimi, Thriller

 

 

 

 

KLAPPENTEXT Die fünfjährige Ann-Kathrin verschwindet spurlos. Zwei Jahre später stellt die Polizei die Suche ein. Zur selben Zeit wird dem Vater ein Glas Honig zugesandt. Sind darin die Tränen seiner Tochter konserviert? Eine irrsinnige Vermutung – trotzdem mach sich der Journalist Fritz Zweiheiliger auf die Suche nach dem Mädchen. Er folgt der Spur des Honigs nach Nordspanien und muss sehr bald erkennen: Nur wenn er das Mädchen findet, kann auch er sein Leben retten.

MEINE ERWARTUNGEN Es war eine Weile her, dass ich einen Thriller gelesen hatte. Ich bin ein kleiner Angsthase und hoffte, es würde nicht zu eklig oder gruselig werden.

MEINE EINDRÜCKE Ein wenig habe ich es ja schon bei meinen Lese-Updates durchklingen lassen: es beginnt stark, die Spannung bleibt dann eher auf einem niedrigeren Level und zieht dann ab der Hälfte ordentlich an.

Mark Neustädter alias Oliver Kern kombiniert in Die Spur der Tränen geschickt klassische Krimielemente mit neuen Ideen. So ist der Journalist Zweiheiliger eine eher typische Ermittlerfigur: ein gebrochener Mann, der schwer an seiner Vergangenheit zu knabbern hat und eigentlich nicht mehr ermitteln sollte. Angetrieben von einer fixen Idee plagt er seinen Geist und seinen Körper bis zum Äußersten, immer in der Hoffnung auf Erlösung – für sich und das verschwundene Mädchen.

Neu ist die Idee des Settings. Asturien ist eine spanische Berglandschaft: ungastlich und dennoch faszinierend. Hier leben eigenbrötlerische Menschen, jeder kennt jeden und Geheimnisse werden gerne mit ins Grab genommen. Klar, dass es hier schwer ist zu erforschen, was vor zwei Jahren mit Ann-Kathrin passiert ist. Und obwohl Zweiheiliger durchaus auf stereotype Figuren trifft, gelingt es Neustädter die Begegnungen so spannend zu gestalten, dass der Leser nicht das Gefühl bekommt, er habe das alles irgendwo schon einmal gesehen.
Auch die Idee mit dem Honig, der eine Schlüsselrolle in dem Fall einnimmt, ist neu und gleichzeitig  sehr aktuell. Das Bienensterben ist ein wichtiges Thema in der Wissenschaft und beeinflusst den Menschen mehr, als dieser zuweilen wahr haben will.
Die Spannung steigert sich langsam und die letzten 100 Seiten sind absolut fesselnd. Der Showdown ist ein echter Thriller, so schrecklich, dass ich hoffe, es wird niemals verfilmt.

Besonders brilliant ist der Schreibstil des Autors. Anfangs war ich mir noch unsicher, ob mir der Präsens mit der Ich-Erzählperspektive gefallen wird. Meistens geht das für mich ja schief, weil ich mich dann nicht richtig in die Geschichte einfühlen kann. Aber Neustädter hat einen sehr intensiven, bildlichen und realistischen Stil, der einen einfach in die Geschichte einsaugt. Und wenngleich ich Zweiheiligers Aktionen nicht immer gutheißen konnte, seine Gedanken und Gefühle waren mir so nahe, dass ich Mitgefühl hatte. Ich fieberte mit und hoffte, dass er seine Erlösung findet.

Es gibt aber einen Punkt Abzug. Es werden nicht alle Fragen mit absoluter Sicherheit beantwortet. Es bleibt ein Rest Spekulation und Fiktion zurück, was vermutlich nicht jedem Leser gefallen wird. Ich selbst hatte anderes erhofft und bin erst nach einem Gespräch mit dem Autor zufrieden.

FAZIT Die Spur der Tränen ist eine Mischung aus Thriller und Krimi. Zugkraft sind der eigenwillige Protagonist Zweiheiliger und der Schreibstil des Autors. In Kombination mit der kreativen Story hat man hier wirklich viel Lesespaß und Spannung. Die Romane von Mark Neustädter bzw. Oliver Kern sollte man definitiv näher im Auge behalten!

IN DREI WORTEN Spannend, kreativ, faszinierend

4Eulen

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