[Gelesen] Rebecca Michéle–Schatten über Allerby

Ich wurde vor einiger Zeit einmal angefragt, ob ich nicht Interesse daran hätte, von kleineren Verlagen Bücher zu lesen. Das folgende Buch habe ich mir unter anderem ausgesucht.
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Verlag: Goldfinch Verlag
Seiten: 321
Preis: 12,95 Euro
Genre/Thema: Kriminalroman

INHALT Kurz nachdem Mabel mit Lady Michelle Carter-Jones die Überraschungsparty für deren Mann besprochen hat, wird die Lady tot im Badezimmer aufgefunden. Es soll Selbstmord gewesen sein, doch Mabel ist skeptisch. Als Pflegerin getarnt, gelangt sie nach Allerby und versucht, herauszufinden, was wirklich geschehen ist.
MEINE ERWARTUNGEN Die Aufmachung, das Setting in Cornwall, die Figuren. Alles erinnerte mich ein wenig an Agatha Christie. Also erhoffte ich mir einen Roman, der in dieser Tradition der gemütlichen Krimis steht.
MEINE EINDRÜCKE Schatten über Allerby ist der dritte Krimi mit der betagten, aber sehr agilen Mabel. Das ist für den Leser aber nicht schlimm, da die Figuren ausreichend (neu) eingeführt werden und die früheren Fälle kaum eine Rolle spielen.
Mabel ist Haushälterin eine Tierarztes und besitzt zugleich ein stattliches Ansehen in Cornwall, welches sie für feierliche Anlässe zur Verfügung stellt. Sie ist trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch sehr agil. Zudem ist sie sehr neugierig, etwas vorlaut und ziemlich dickköpfig. In diesem Punkt unterscheidet sie sich von Miss Marple, mit der sie nach eigener Aussage nicht verglichen werden will. Miss Marple war nicht so viel unterwegs, und wenn dann auch nur so viel wie es gerade nötig war. Zudem war Miss Marple in ihrer Art erheblich englischer, also zurückhaltend, förmlich und hielt auch gerne an bestimmten Konventionen fest. Das trifft auf Mabel nicht zu. Mabel ist aber ebenso sympathisch, humorvoll und sehr schlau. An ihrer Schlauheit lässt sie den Leser allerdings nicht immer teilhaben, so dass ihre Fortschritte im Fall erst einmal im Verborgenen bleiben. Das soll wohl die Spannung erhöhen.
Ihre Mitspieler, allen voran der Tierarzt Victor, sind ebenfalls sympathisch. Vor allem Victor macht hier eine gute Figur. Er ist das komplette Gegenteil zu Mabel, aber ebenfalls sehr resolut und ein guter Freund.
So erscheinen die Figuren dennoch bei zu genauem Hinsehen bisweilen leicht stereotyp, was der Geschichte aber nicht wehtut, sondern ihr den anheimelnden Charme der alten Krimis gibt.
Die Handlung ist für mich nur am Ende spannend geworden, als sich Mabel ernsthaft in Gefahr bringt, der Täter eigentlich schon feststand, aber nun noch fraglich blieb, wie die Gerechtigkeit zum Zuge kommen wird. Davor und auch danach plätschert alles in freundlichem, teils belanglosem Plauderton vor sich hin. Ich fühlte mich nicht animiert zum Miträtseln, richtig (kriminell) unterhalten aber auch nicht. Meines Erachtens nach lag das vor allem daran, dass die wichtigen Wendepunkte im Fall ausblieben. Beispiel: einmal mach Mabel eine sehr wichtige Entdeckung, der Leser wird dabei aber wie die übrigen Figuren im Dunkeln belassen, was Mabel genau herausgefunden hat. So könnte man Spannung erzeugen, bei mir hat es Ungeduld produziert, denn vorher ist auch schon wenig im Bezug auf den Fall geschehen und jetzt hätte man endlich einmal etwas erfahren können…
FAZIT Es ist kein schlechtes Buch, aber wer einen richtigen Krimi will, der muss hier nicht zugreifen. Die Spannung ist mäßig, die Figuren nicht vielschichtig genug. Es ist tatsächlich mehr ein ‘cozy murder’ a la Agatha Christie: eingekuschelt auf der Couch kann man diesen Krimi schmökern, ohne sich wirklich zu gruseln oder mitzufiebern – denn das wollte die Queen of crime auch nie. Der Leser sollte einfach nett unterhalten werden, und das bekommt man hier ein Stück weit auch. Da es aber meinen Erwartungen, wirklich richtig Christie zu sein, nicht entspricht…
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