[Gelesen] Suzanne Collins – Die Tribute von Panem – Flammender Zorn

Guten Morgen zusammen!
Ist das Wetter bei euch auch so unstet? Hier regnet es mal und ist es kalt, dann ist es wieder sonnig und schwül warm. Dass deswegen einige meiner Kolleginnen Kreislaufprobleme bekommen, wundert mich nicht mehr… ich hoffe, dass das Wetter bald mal merkt, dass kein April mehr ist!
Nun aber zum dritten Teil der Panem-Trilogie. Da ja vermutlich einige diesen Band noch lesen, werde ich die Inhaltsangabe sehr kurz halten, um nicht zuviel vorweg zu nehmen. Am Ende meines Fazit gebe ich noch eine gesammeltes Statement zur Trilogie ab.

Also… Die Tribute von Panem – Flammender Zorn!

Inhalt: Katniss hat auch die zweite Arena überlebt. Doch ganz Panem befindet sich in Aufruhr gegen das Kapitol. Und die Rebellen wollen das Katniss das Gesicht dieser Rebellion wird. Doch sie hat nur zwei Sorgen: was ist mit Peeta? und wie kann es ihr gelingen, Präsident Snow zu töten?

Erster Leseeindruck: Nach dem Ende des zweiten Bandes konnte ich es kaum abwarten, den dritten und letzten Teil der Panem-Trilogie zu beginnen. Ich musste unbedingt wissen, wie es weitergeht. Doch ich werde schnell ernüchtert: mir werden nicht alle Fragen beantwortet, die sich mir am Ende von Gefährliche Liebe gestellt haben. So lese ich weiter, in der Hoffnung, dass dies noch nachgeholt werde und tauche ein in Katniss‘ Gedanken…

Fazit: Die Ernüchterung hielt lange an und auch am Ende der Trilogie bleiben einige Fragen zurück.
Die hohe Spannungskurve, die auf den letzten Seiten in Gefährliche Liebe aufgebaut wurde, wird mit den Anfängen von Flammender Zorn rapide abgebrochen. Ich fand eine verletzte, zornige und sehr störrische Katniss vor. Denn obgleich ihre Mitmenschen ihr die Lage von Panem erklären, verhält sie sich wie ein trotziges Kind, suhlt sich in ihrem Schmerz und in ihrem Rachedurst. Das mag in Ordnung sein, denn immerhin hat sie schmerzhafte Verluste zu verkraften, aber sie findet aus diesem Strudel kaum noch zurück. So bleibt ihre Entscheidung, sich den Rebellen anzuschließen, auch sehr persönlich motiviert und man ahnt, dass dies auf die Dauer nicht gut enden kann.Erheblich bewegter verfolgte ich Peetas Schicksal. Wie er sich da herauskämpft, das fand ich beeindruckend, vielschichtiger und viel tragischer als Katniss‘ Handlungen.

Die Handlung selbst beginnt also im dritten Band sehr zögerlich. Sie ist erstmal geprägt von Katniss‘ Leid und anschließend von den schmalen Schilderungen der Kriegsvorbereitungen. Hier deutet sich eine stilistische Schwäche der Autorin an, die mich vor allem im Mittelteil sehr störte: die bereits in den anderen Büchern erwähnte karge Ausschmückung von Landschaft und Menschen führte dazu, dass ich mir den Ort, an dem Katniss zu Beginn von Flammender Zorn verweilt, nicht wirklich vorstellen konnte. Störend wurde dies aber erst so richtig, wenn sie sich in den Kampf begibt. Hier erklärt Suzanne Collins zum Beispiel, dass in der Kriegsarena überall ‚Kapseln‘ verteilt seien, die bei Berührung schreckliche Attacken freilassen. Aber wie sehen die Kapseln aus, wie groß sind sie, woran erkennen die Rebellen, welche Attacken freigelassen werden und kann man sie sehen oder sind sie unsichtbar? Dies alles bleibt unerklärt und das führte für mich an manchen Stellen zu Widersprüchen: mal entdecken die Rebellen die Kapseln, mal laufen sie direkt hinein, mal wissen sie, was freigelassen werden wird und mal nicht… aber das nur am Rande.
Diese Schnörkellosigkeit äußert sich aber auch in der Erklärung der Hintergründe zu der Geschichte. Bis zum Schluss ist nicht ganz klar, was die Rebellen im Schilde führen, wer wirklich gut und wer böse ist. Beinahe jede Figur scheint eine Doppelmoral zu haben und neben dem Gemeinwohl auch ein ganz persönliches Ziel im Krieg vor Augen zu haben. Das wäre nicht schlimm, sondern sehr interessant, würde diese Idee bis zum Schluss konsequent zu Ende geführt werden. Stattdessen blieben für mich einige Handlungsstränge offen: so wird zum Beispiel nie aufgeklärt, welche Rolle Haymitch wirklich spielt. Auch die Rolle von Coin ist schwierig. Zwar wird bald erklärt, warum sie sich gegenüber Katniss so seltsam verhält, aber bis zum Schluss scheint es, dass alle Rebellen hinter ihr stehen. Doch als Katniss eine Folgen schwere Entscheidung für/gegen Coin trifft, nehmen die Rebellen das viel zu gelassen hin. Auch die Erläuterungen zur Vergangenheit von Panem, also zum ersten Rebellenaufstand, sind in meinen Augen zum Teil unlogisch oder zumindest ziemlich lückenhaft.
Der Schluss des letzten Bandes hat insgesamt enttäuscht. Der gerade erwähnte große Knall bleibt ohne wirkliche Folgen. Da verschenkt Suzanne Collins das Potential, das meiner Meimung nach in der Geschichte angelegt war: die Andeutungen von Präsident Snow verpuffen und werden nicht weiter vertieft. Das ist sehr schade. So wirkt der Schluss insgesamt hilflos und lieblos. Als ob der Roman schnell zu Ende geschrieben werden musste. Demnach kann Katniss natürlich auch keine Entwicklung durchmachen, nicht erwachsen werden. Bis zu den letzten Zeilen spricht mich eine 17jährige an.

Positiv beeindruckt, haben mich aber die vielen Nebenfiguren. Da hat sich Collins wirklich richtig Mühe gemacht! Hervorheben möchte ich besonders Finnick. Seine Rolle in dem Drama deutet sich ja schon in Ansätzen im zweiten Band der Trilogie an. Aber im dritten Teil bekommt er noch mehr Tiefe. Seine Motivation ist immer sehr klar und seine Einstellung zu bestimmten Verhältnis ist einleuchtend und eindeutig. Ähnlich verhält es sich mit Gale. Wie Katniss sich erinnert, steckte in Gale schon von Kindesbeinen an ein Rebell. Diesen lebt er dann auch im dritten Teil voll aus und verfolgt ein ganz klar motiviertes Ziel. Katniss Liebesentscheidung am Ende des Romans ist somit sehr logisch und die einzig richtige.

Meine Gedanken zur gesamten Trilogie: Ich habe die drei Bücher wirklich sehr gerne gelesen. Sie waren zum Teil spannend, zum Teil tragisch. In der Hauptsache war es interessant, welche Idee Suzanne Collins da entwickelt. Zwar ist diese Form einer Dystopie nichts Neues und man hätte an einigen Punkten noch viel mehr herausholen können, aber so sind diese Bücher gute Jugendbücher. Beschränkt man die Bücher auf dieses Genre und fügt man ihnen die Klasse der Abenteuer hinzu, dann sind sie richtig gut. Das soll nicht herablassend klingen, aber ich versuche die Bücher für mich einzuordnen, da sie meine Erwartungen nicht voll erfüllen konnten.
Ich bin an diese Bücher mit der Hoffnung herangegangen, eine spannende und beklemmende Zukunftsversion unserer Welt vorzufinden. Bekommen habe ich eine mir selten wirklich sympathische Protagonistin, die in einem Abenteuer gefangen ist, das in einer grausamen, wenig ausgefeilten Welt bestritten werden muss. Aber so gesehen haben die Bücher Spaß gemacht und ich freue mich sehr auf die Verfilmungen. Denn die können mir hoffentlich, wie auch schon im ersten Band geschehen, die Grausamkeit und Bildgewaltigkeit vor Augen führen, die die Worte der Autorin mir nicht vermitteln konnten.

Wie hat auch der dritte Teil gefallen und wie die Trilogie insgesamt betrachtet?

3 comments

  1. Emma Bücherkeks says:

    Uuupsi, du bist aber flott :D Ich hab die Rezi jetzt mal gekonnt übersprungen und poste nur hier, dass mein Leseeindruck zu Band 2 noch immer ansteht. Uni ist so stressig im Moment, ich würde mich viel lieber dem Blog und den Rezis widmen :)

    Bis bald,
    EMMA

  2. christerl says:

    Ich seh das auch so wie du – besonders das Ende des dritten Teils wirkt sehr lieblos und wie unter Zeitdruck geschrieben. So à la „schnell noch einen kleinen Vorspann für die Zukunft“. Am besten fand ich den ersten Teil, der zweite war auch sehr gut, aber der dritte hätte viel besser sein können!

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