[Gelesen] Suzanne Collins – Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele

Auf Nachfrage schreibe ich euch heute eine kleine Rezension zum ersten Teil der Panem-Trilogie. Eigentlich hatte ich nicht erwartet, dass noch Interesse an meiner Meinung dazu besteht, da die Bücher ja schon lange auf vielen Blog kursieren und häufig rezensiert wurden. Aber ich komme dem Wunsch natürlich sehr gerne nach!

Ich habe die ersten beiden Bände in wenigen Tagen durchgelesen. Heute stelle ich euch also Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele vor.

Wie ihr sehen könnt, lese ich die Bücher auf meinem Reader. Deswegen ist das Cover auch nur schwarzweiß.

Hintergrundgeschichte zur Trilogie: In einer entfernten Zukunft hat sich aus den versprengten Teilen Nordamerikas das Land Panem gegründet. Einst bestand es aus 13 Distrikten und dem regierenden Kapitol. Nach einer Rebellion wird aber das 13. Distrikt vollständig zerstört.  Das Kapitol regiert seither mit noch härterer Hand und hat zur Erinnerung an die missglückte Rebellion die Hungerspiele ins Leben gerufen. Jedes Jahr werden bei der so genannten Ernte je ein Mädchen und ein Junge aus jedem Distrikt zwischen 12 und 18 Jahren in eine Arena geschickt. Diese so genannten Tribute müssen sich dort solange töten, bis nur noch ein Sieger übrig bleibt. So sollen die Rebellen daran erinnert werden, dass die endgültige Macht beim Kapitol liegt.
Inhalt vom ersten Teil: Als die 16-jährige Katniss bei der Ernte zu den 74. Hungerspielen mit ansehen muss, wie ihre kleine Schwester Prim gezogen wird, meldet sie sich spontan freiwillig als Tribut. Zu ihrem Schrecken kennt sie den männlichen Tribut aus ihrem Distrikt: es ist Peeta, der ihr einst das Leben rettete. Wie soll sie ihn in der Arena töten können? In den Vorbereitungen entpuppt sich Katniss schnell als Geheimtipp und in der Arena kann sie sich lange gut durchschlagen, bis plötzlich die Regeln geändert werden…

Erster Leseeindruck: Ich gebe zu, ich habe lange laut verkündet, dass ich die Trilogie nicht lesen möchte. Ich hatte ja schließlich schon den Film gesehen und das musste genügen. (Hier geht es zu meiner Filmkritik) Ich war der Meinung, dass mir das Buch nichts mehr erzählen könnte, was ich im Film nicht schon gesehen hatte. Doch als ich meinen Reader bekam, war die Versuchung groß.
Die ersten Seiten flogen nur so an mir vorbei. Überrascht von der neuen Perspektive in dem Buch, ergänzt mit den Bildern aus dem Film, fand ich mich schnell in einer abenteuerlichen Geschichte wieder.

Fazit: Da ich ja schon wußte, wie der erste Band ausging, war die Spannung im Hinblick auf den Ausgang der Hungerspiele nicht besonders groß. Aber ich war doch neugierig, wie Suzanne Collins der Geschichte Leben einhaucht.
Die Trilogie wird aus der Ich-Perspektive von Katniss erzählt. Sie ist ein junges Mädchen, dass schon sehr früh ihren Vater verloren hat und so mit ihrem Jagdgeschick ihre Familie ernähren muss. Dies verleiht ihr eine unfreundliche, harte und sehr dickköpfige Ausstrahlung. Aber sie hat einen ungebrochenen Überlebens- und Beschützerinstinkt, weshalb sie sich auch für ihre Schwester in die Arena begibt. Ihre Gedanken und Sorgen sind der einer 16-jährigen angemessen, wenngleich sie manchmal sehr begriffsstutzig und egoistisch ist. Sie fühlt stets die ganze Welt gegen sich, als wäre sie immer auf der Jagd. Ehrliche, liebevolle Gefühle scheinen ihr fremd, so dass ihr die freundlich gesinnten Helfer erstmal hinterhältig und verschlagen vorkommen müssen. Trotz dieser Verbohrtheit von Katniss gelingt es der Autorin, eine Entwicklung zu entfalten. So lernt Katniss während der Spiele die stummen Andeutungen ihres Mentors richtig zu deuten und fügt sich ihrer Rolle, um so ihr Überleben zu sichern. Doch ihre globale Rolle in dem Land Panem will oder kann Katniss am Ende der Hungerspiele nur schwer begreifen.
Die Geschichte ist zügig und ohne große Ausschmückungen erzählt. Es ist klar, dass diese Bücher vor allem an ein jugendliches Publikum mit einer regen Fantasie gerichtet sind. So sind leider auch die Hintergründe zum Land Panem; den staatlichen, politischen und gesellschaftlichen Strukturen auch entsprechend wage. Der Fokus ist stark auf Katniss und ihre Gefühls- und Gedankenwelt ausgerichtet, so dass der Wissenshorizont auch entsprechend eingeschränkt bleibt.
Doch das ist stimmig: durch die Ich-Perspektive weiß der Leser nie mehr als Katniss, schwimmt in ihren Gedanken und Gefühlen. Ob er mitfühlen kann oder genervt ist von ihrer Borniertheit, das ist wohl von Leser zu Leser unterschiedlich. Lässt man sich aber auf diese Erzählstruktur ein, dann hat man ein wirklich spannendes, sehr flüßig zu lesendes Buch.
Mich hat manchmal nur der sehr eingeschränkte Lernwille von Katniss gestört. Sie muss viele Fehler mehrmals machen, bis sie die Lehre daraus wenigstens halbwegs verinnerlicht hat. Auch dass sie sich den wahren Umständen im Kapitol und dem ganzen Land Panem mit aller Macht verschließen will, erschien mir zeitweilig sehr einfältig. Sie kann oder will nicht begreifen, welche Auswirkungen ihre Handlungen im Training und in der Arena auf die ganze Welt haben und zeigt sich immer wieder erstaunt. Da erscheint ihr Partner Peeta ihr bei weitem überlegen und um so tragischer in seiner Figur.
Wäre Katniss etwas aufgeschlossener ihrer Umwelt gegenüber, dann hätte man aus dieser Geschichte sicherlich noch mehr herausholen können. So nehmen die Hungerspiele nicht einmal die Hälfte der Handlung ein und wie Katniss muss sich auch der Leser vollständig um ihren Kosmos drehen. Schade, denn so bleibt alles nur oberflächlich angekratzt.
Ich hatte ja zu Beginn vermutet, dass das Buch mir nicht mehr erzählen kann als der Film. Aber die intensive Einsicht in Katniss‘ Gefühle und Gedanken konnte der Film natürlich nicht einfangen. Im Film ist Katniss weniger verschlossen im Hinblick auf die Vorschläge und Einflüsse von aussen und sie fügt sich auch viel schneller in ihre Rolle, da sie die Zusammenhänge schneller zu begreifen scheint. Das fehlt im Buch. Hier ist Katniss erheblich träger und hat eigentlich bis zum Schluss noch nicht alle Zusammenhänge wirklich erfasst.

Mir fehlte es in dem ersten Buch also insgesamt an Tiefe und Ausgefeiltheit. Nichtsdestotrotz hat es Spaß gemacht, Tödliche Spiele zu lesen. Es ist ein Abentuerroman mit etwas Thrill, der aber noch ausbaufähig ist. Es hat mich jedoch nachdenklich gestimmt, dass mich der Film viel stärker getroffen hat, als das Buch. Offenbar ist der Mensch -oder zumindest ich- sehr viel visueller zu beeindrucken, als man sich das vorstellt.

Wie hat euch der erste Band der Tribute von Panem gefallen?

4 comments

  1. Nadja says:

    Mir hat er ganz gut gefallen, ich mochte, wie stark und unabhängig Katniss ist, und wie wenig sie sich von anderen sagen lässt!

    Liebe Grüße
    Nadja

    • Melissa says:

      Für mich steckte hinter der Stärke allzu oft eine starke Verbissenheit, eine aufgezwungene Stärke, die nicht wirklich von innen kommt… vielleicht interpretiere ich da aber auch zuviel rein.

  2. Emma Bücherkeks says:

    Mir hat der erste Band sehr gut gefallen. Ich war vom Film leicht enttäuscht, weil er doch an einigen Stellen deutlich abgewandelt wurde (ich erwähne hier mal die Brosche) und finde es einfach nur doof, wenn man weiß, wie es in Band 2 mit dem Gegenstand weitergeht :(

    Hab Band 2 jetzt gelesen und gestern mit 3 begonnen :)

    LG EMMA Bücherkeks

    • Melissa says:

      Mit der Brosche gebe ich dir recht. Aber man könnte beim Film deuten, dass da die Brosche aus dem Hob kam, der ja auch rebellisch ist, das dieser Gegenstand trotzdem für Widerstand stehen kann. Nur eben weniger persönlich motiviert…

Schreibe einen Kommentar