[Gesehen] Barneys Version

Ich weiß gar nicht mehr, warum ich mir diesen Film ausgeliehen hatte. Entsprechend lange lag er dann auch bei mir herum. Im Nachhinein kann ich sagen: hätte ich ihn nur schon vorher mal angesehen!
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Inhalt: Barney ist ein gealterter, mittelmäßiger Filmproduzent und sehr einsam. Eines abends konfrontiert ihn ein alter Polizist mit seiner Vergangenheit und bezichtigt ihn des Mordes. Darüber hat der Polizist sogar ein Buch geschrieben. In Rückblenden erinnert sich Barney beim Durchblättern des Romans an sein Leben: seine Ehen, seine große Liebe, seine Freunde. Barney erzählt seine Version seines Lebens.
Meine Erwartungen: Da ich ja nicht mehr wusste, wie der Film auf meiner Ausleihliste gelandet war, hatte ich auch keine besonders hohen Erwartungen an diesen Film. Ich war eher gespannt auf den Inhalt und hoffte, gut unterhalten zu werden.
Fazit: Ein erfrischend anderer Hollywoodfilm.
Paul Giamatti verkörpert in diesem Film mit Barney den absoluten Antihelden: er ist mürrisch, unfreundlich, egozentrisch und absolut unsympathisch. Und doch vermochte mich das Schicksal dieses Mannes dank großartigen Schauspielerei von Giamatti zu berühren.
Die Geschichte ist in zwei Handlungsstränge geteilt. So beginnt der Film in der Gegenwart, wo wir den gealterten und mürrischen Barney kennenlernen. Doch auch in den anschließenden Rückblenden, die den Großteil des Films einnehmen, wirkt Barney zunächst nicht sympathisch. Aber seine Wünsche und Bedürfnisse sind die unseren: auch er sehnt sich danach zu lieben und geliebt zu werden. Und bei dieser Suche unterlaufen ihm viele Fehler. Diese machen ihn schlussendlich menschlich und auf eine verkorkste Art und Weise liebenswert.
Das Setting ist schlicht und zurückhaltend. In diesem Film geht es hauptsächlich um die Charaktere. Neben dem großen Star Giamatti reihen sich aber noch einige andere, ebenso großartige Schauspieler wie Dustin Hoffman und Scott Speedman. Alle Rollen sind durchweg toll besetzt und wirken überzeugend. So schafft Regisseur Richard J. Lewis intensive Bilder, die mich mitgerissen haben. Vermischt wird das Ganze mit einer Prise makabren Humor, was die eigentliche Tragödie ein wenig auflockert.
Zum Schluss kehrt der Film wieder in die Gegenwart zurück. Und spätestens da muss man Barney einfach mögen.
Der Film ist unaufgeregt, hat keine großen Effekte, schafft es aber gerade deshalb zu berühren. Er ist so wenig Hollywood, erinnert mich manchmal an die melancholischen französischen Filme.
Wer also offen ist für Neues und gerne Antiheldenfilme mit Tragik sieht, dem sei dieser Film empfohlen! Von mir gibt es

4Eulen

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