[Im Kino] Snow White and the Huntsman

Da ich ja in Berlin mit meiner besten Freundin unterwegs war und sie eine leidenschaftliche Cineastin ist, waren wir natürlich auch im Kino. Nicht sehr kreativ, aber wir wollten nicht in der WG-Junggesellenbude, in der wir aufgenommen wurden, unseren Abend vor dem Konzert verbringen. Also entschieden wir uns spontan für:
Ich war auf diesen Film irgendwie sehr gespannt: Charlize Theron als böse Königin, Kristen Stewart als Schneewittchen und Chris Hemsworth als Huntsman…eine interessante Mischung. Und da ich ja schon Spieglein, Spieglein mit Julia Roberts gesehen hatte, freute ich mich nun auf eine neue Schneewittchen-Interpretation! By the way…was ist das denn eigentlich dieses Jahr mit Schneewittchen? Findet ihr es nicht auch komisch, dass soviel darüber gefilmt, geschrieben und gesprochen wird? Spannend…
Zum Inhalt: Nach dem Revanna mit einer List den trauernden König für sich gewonnen und schließlich ermordert hat, lässt sie Snow White in einen Turm sperren und übernimmt die Herrschaft über das Reich. Von nun an regieren Grausamkeit, Düsternis und eine schrecklich schöne Königin über Natur und Volk. Aber als Snow White erwachsen wird, verrät der Spiegel Revanna, das sie nicht mehr die Schönste im Lande sei. Snow White sollsterben, doch ihr gelingt die Flucht. So wird der Huntsman angeheuert, Snow White zu fangen und auszuliefern. Aber er traut Revanna und ihrem Bruder nicht und hilft stattdessen Snow White bei der Flucht und dem Kampf gegen die böse Königin…
Erster Eindruck: Als ich erfuhr, dass der Film Überlänge hat (127 Minuten), war ich erst einmal gespannt, was man in so vielen Minuten Spannendes zu erzählen hat. Die ersten begangen auch wirklich fesselnd: Der trauernde König muss in den Kampf gegen eine düstere Macht gehen und nimmt eine bildschöne und ängstliche Frau bei sich auf. Sie wird sofort seine neue Königin. Doch Revanna ist nicht so schüchtern, wie sie wirkte und schnell packt den Zuschauern der wohlige Schauer aus Grauen, Spannung und düsterer Vorahnung.

Fazit: Obwohl ein Vergleich zwischen Spieglein, Spieglein und Snow White and the Huntsman nicht wirklich glücklich ist, da diese beiden Filme aus recht unterschiedlichen Genres kommen, so fällt schnell auf, dass in beiden Filmen die bösen Königinnen die wirklich faszinierenden Figuren sind. Gespielt von zwei starken Schauspielerinnen müssen die Schneewittchens verblassen.
Dennoch gelingt es Kristen Stewart ein wenig aufzublühen. Sie hat im Verhältnis zu den Twilight-Filmen an schauspielerischem Facettenreichtum dazu gewonnen. Dennoch schätze ich, dass sie zu den Schauspielern gehört, die man entweder liebt oder hasst. Ich hasse sie zwar nicht, aber sie erreicht mich nicht. Immer wieder ertappte ich mich bei Gedanken wie „Sollte sie jetzt nicht eigentlich traurig sein? Aber irgendwie ist sie…verwirrt?“ Ihre Mimik und Gestik passte nicht immer zur Situation und so konnte ich mit ihr nicht mitfühlen. Ganz anders bei Revanna, gespielt von Charlize Theron. Die gestandene Schauspielerin versteht es eine düstere, schöne und zugleich verzweifelt in ihrem Schicksal gefangene Frau darzustellen, der man trotz der bösen Rolle ein wenig Mitgefühl entgegenbringen will… immer gespaart mit ein wenig Schauergefühlen.
Chris Hemsworth war wie gewohnt männlich. Ich hab eine Rezension gelesen, die sinngemäß sagte: selbst dreckig und verrotzt kann Hemsworth noch sexy aussehen. Das unterschreibe ich mal unkommentiert. Aber auch die Tiefen seiner Figur hat er gut umgesetzt und so war der Huntsman ein Prinz und Held, wie man ihn im Märchen haben will.
Insgesamt ist diese Verfilmung des Märchens sehr actionreich, es gibt viele Kampfszenen und die Stimmung ist düster, gruselig und wenig märchenhaft. Dem wird aber eine bunte Feenwelt mit Zwergen entgegengesetzt, die fehl platziert wirken muss. Ich konnte damit nichts anfangen, da die vielen Feen, Gnome und Hirsche keine Auswirkung auf die Handlungen oder Entscheidungen der Figuren hatten. Snow White ist schon vorher bewusst, was sie zu tun hat, bevor sie dem Hirsch des Lebens gegenübersteht. Da hätte man deutlich kürzen können. So war mir der Film tatsächlich zu lang und erinnerte mich an manchen Reitereinstellungen und Landschaftsbildern an Herr der Ringe. Wenn das aber noch ein Epos war, das man auch episch verfilmen soll, muss das bei Schneewittchen nicht sein. 
Konzeptionell gab es natürlich kleine Veränderungen am Märchen. Diese haben mich mal mehr oder weniger gestört. Den Fokus auf Schneewittchen und den Jäger zu legen, fand ich sehr spannend. Die Namensgebung dagegen hat mich nachdenklich gemacht: warum kann man Snow White nicht Schneewittchen nennen und Huntsman den Jäger oder kann man ihm nicht einen Namen geben? Und jeder kennt doch den Spruch: Weiß wie Schnee, Rot wie Blut und Schwarz wie Ebenholz. Im Film heißt es Schwarz wie die Raben. Damit wird eine, in meinen Augen nicht mehr notwendige, zusätzliche Verbindung zwischen Revanna (klingt das nicht wie Raven=Rabe?) und Snow White geschaffen. Allerdings agiert tatsächlich die Königin immer wieder mit Raben, Snow White hat scheinbar eher einen Draht zu Elstern… ich weiß, ich bin zu kritisch…
Die Idee dieses Märchen einmal „männlich“ zu inszenieren (tatsächlich saßen viele Männer ohne ihre Frauen im Film) war wirklich erfrischend, aber beim märchenhaften Teil hat man sich vielleicht ein bisschen im verwunschenen Wald verlaufen.
Der Film ist ein actionreiches, düsteres Abenteuer und defintiv nichts für zarte Gemüter. Mit Kindern würde ich da nicht reingehen. Und Frauen, die hoffen, ein wenig verträumt seufzend zu können, werden wohl auch enttäuscht. Diesmal könnt ihr aber tatsächlich eure Kerle mitnehmen, denn die werden gut unterhalten sein.

Für Fans von: King Arthur, Die letzte Legion, Avatar, Herr der Ringe

4 comments

  1. christerl says:

    Danke für die tolle Rezension! Auch wenn der Film nicht unglaublich gut zu sein scheint, so hört er sich doch interessant an. Und ich mag Kind Arthur und Herr der Ringe sehr gerne (Avatar dafür aber gar nicht *g*), also vielleicht wäre der Film ja was für mich!

  2. Nadja says:

    Den würd ich auch gerne sehen, irgendwie spricht der mich mehr an als die andere Verfilmung. Danke für das Review, ich kann mir jetzt gut vorstellen, was mich erwartet!

    Liebe Grüße
    Nadja

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