[Im Kino] Spieglein, Spieglein

Letztens war ich mite iner guten Arbeitskollegin im Kino. Sie ist großer Julia Roberts-Fan, also gingen wir in…

Zum Inhalt: Es ist eine Neuverfilmung des Grimms Märchen von Schneewittchen und die sieben Zwerge. Ich hoffe, die Geschichte kennen alle. Im Film ist sie etwas verändert worden, die Veränderungen mag ich aber nicht vorwegnehmen, da sie den Charme dieses Films ausmachen!

Erster Eindruck: Die Synchronstimme von Julia Roberts führt uns in die ersten Zeilen des Märchens ein. Begleitet wird sie von einer Reihe wunderbarer Zeichnungen. Habt ihr euch mal Kung Fu Panda angesehen? So ähnlich wie dort, also asiatisch-papiernen angehauchten wirkten die Zeichnungen auf mich. Das hat mich schwer beeindruckt. Heimlich fragte ich mich aber: Das ist doch eine Realverfilmung und kein Animationsfilm, oder?!

Fazit: Nachdem ich mich an das, für mein Empfinden, nicht so wirklich Schneewittchen-hafte Aussehen von eben Schneewittchen oder Schneechen, wie sie im Film oft gerufen wird, gewöhnt hatte, ahbe ich mich entspannt in den Film fallen lassen. Dies gelang mir vor allem aufgrund der wunderbaren Schauspieler, an erster Stelle natürlich Julia Roberts als böse Königin. Ich spürte die Spielfreude, die Leichtigkeit. Dies zusammen mit den tollen Kostümen, und der düster, märchenhaft-übertrieben Kulisse…so müssen Märchen für mich sein!
Während des Films habe ich zwischendurch in meinem Gedächtnis gekramt, wie genau eigentlich das Grimms Märchen abläuft. Ich gebe zu, als ich es zum letzten Mal las, war ich bestimmt noch in kleinen Kinderschuhen. So wartete ich auf die sieben Zwerge und den hübschen Prinzen. Letzterer wäre nicht mein Prinz, aber er war sehr ansehnlich und eine wirklich amüsante Figur. Vielleicht ein wenig konturlos, aber schließlich muss er die Prinzessin ja auch erst am Ende retten. Er taucht aber schon relativ früh auf, da die böse Königin ihn heiraten will. Bis der Prinz sich schließlich empanzipiert und heroisch handelt, ja, dann ist Schneewittchen schon längst erwachsen.
Dies ist auch eigentlich das, was mir am besten an der Verfilmung gefallen hat: die Modernisierung. Schneewittchen ist nicht mehr wie im ursprünglichen Märchen eine Marionette der Herrschaft, ihrer Stiefmutter und der Zeit, in die sie hineingeboren wird. An ihrem 18. Geburtstag lernt sie die grausame Welt jenseits der goldenen Schlossmauern kennen und emanzipiert sich. Bei den sieben Zwergen wird sie selbstständig, entdeckt ihren rebellischen Geist und kämpft selbst für ihr Leben. Das passt doch viel besser in unser Zeitalter! Sie also kein Prinzesschen mehr, sondern -um Gabriella Engelmanns Worte zu benutzen- eine weibliche Robin Hood.
Meine einzige, wirklich energische Kritik gilt dem Abspann. Dazu muss ich erwähnen, dass zu Beginn des Films erzählt wird, dass das Volk unter der Herrschaft des Königs immerzu tanzte und sang. Als er starb und die Stiefmutter dann regiert, tun die Menschen es nicht mehr: eine Eiszeit bricht an. Am Ende ist die böse Königin besiegt, also können die Menschen wieder lachen, singen und tanzen. Aber muss es dann gleich Bollywood sein? Ich mag das im Rahmen von Bollywoodfilmen. Spieglein, Spieglein kommt doch aber aus Hollywood. Gut, der Regisseur Tarsem Singh ist zwar Inder, aber ich finde nicht, dass er dann zum Schluss mal noch schnell Bollywood nach Hollywood holen musste. Das war vollkommen deplatziert und hinterließ bei mir einen faden Beigeschmack.
Ansonsten ist es wirklich ein schönes Popcornkino gewesen, mit einer gut gelaunten Julia Roberts und einer intelligenten Interpretation eines mehr als 200 Jahre alten Märchens.

3 comments

  1. Mini says:

    Ich mag den auch sehen! Mein Freund und ich werden zwar am Freitag ins Kino gehen, jedoch werde ich ihn wohl nicht zu diesem Film überreden können, leider ;-)

    Liebe Grüße
    Marleen

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