[Im Kino] Zwei an einem Tag

Hallo, ihr Lieben!
Gerade erst nach Hause gekommen, frisch im Kino gewesen, möchte ich euch meine Eindrücke zum Bestseller Zwei an einem Tag mitteilen!
Ich habe mir den Streifen im OmU angeguckt. Mein Lieblings-Independentkino bietet dies manchmal, leider viel zu selten, aber zur besten Sendezeit an. Also nutzte ich doch die Gelegenheit!

Worum es in dem Film geht, muss ich ja zum Glück nicht beschreiben, deswegen gehts gleich über zum ersten Zuschauereindruck: Der Vorspann erinnert an die alten schönen Filme aus den goldenen 20er oder 30er Jahre: Die Schauspielernamen werden kursiv eingeblendet, unendlich alte, kitschige Filmmusik und wunderschöne Panoramaaufnahmen. Das fand ich im ersten Moment etwas befremdlich, dann doch sehr amüsant. Eine nette Idee! Schließlich beginnt der Film dramaturgisch mit einem Vorgriff; wir sehen Emma auf dem Fahrrad durch das London aus dem Jahre 2006 fahren, dann dreht die Uhr langsam zurück…. danach hält sich der Film vor allem an die (wenigen) Treffen zwischen Emma und Dexter, wie sie im Roman zu finden sind. Hinzugefügt werden allerdings vor allem in den ersten 15 Jahren auch indirekte Treffen (Telefonate in der Hauptsache). Hier wird der aufmerksame Zuschauer schon einige Veränderungen zum Roman feststellen. Sie sind aber so geringfügig, dass es nicht auffällt, wenn man den Roman schon vor einiger Zeit gelesen hat.
Emma und Dexter werden eingeführt, die Filmmusik unterstreicht schön, ansonsten lenkt nichts von der Beziehung de rbeiden unnötig ab. Da hat sich Regisseurin Lone Scherfig (führte auch Regie in Italienisch für Anfänger) wirklich Gedanken gemacht.
Mein erster Eindruck war also durchaus positiv wohlwollend. Mein Blick ist natürlich getrübt durch den Roman, ich wußte also, was alles passieren würde, deswegen fragte ich mich manchmal, ob der unbelesene Zuschauer gut in die Materie eingeführt wird und ob der Film im Gesamten verständlich ist. (Kann mir da einer weiterhelfen?)

Kritik? Kritik ist ja, besonders bei Filmen, vor allem Geschmackssache. Aber da ich nun den Roman gelesen habe, habe ich beide Kunstwerke natürlich miteinander verglichen. Wie ich euch schon berichtete, hat David Nicholls am Drehbuch mitgeschrieben. Also hat er alle Änderungen abgesegnet. Positiv hervorheben möchte ich, dass es sehr wenige Veränderungen gibt. Auf ein paar möchte ich aber mal näher eingehen, da diese mich doch zum Nachdenken angeregt haben:

Nummer 1 Wenn Dexter Emma in Paris besucht, eröffnet diese ihm, dass sie in Paris jemanden kennengelernt hat. Ohne viel vorwegzunehmen (falls jemand die Story nicht kennt), dieser Paris-Trip ist ein sehr wichtiger Wendepunkt in der Beziehung von Dex und Em. Der Pariser Freund tritt im Roman aber niemals in Erscheinung, da er nicht wirklich von Bedeutung ist. Wichtig ist nur, und das erkennt Dexter auch, dass es Emma sehr gut geht und sie alles im Leben erreicht, was sie (beruflich) erreichen wollte. Dexter dagegen nicht. Er erlebt einen Tiefpunkt seines Lebens und sehnt sich nach Emma. Dexter fordert Emma auf, es mit ihm zu versuchen, eine gemeinsame Beziehung zu führen. Im Film ist Emmas Entscheidungsfindung, wir wollen es mal so ausdrücken, anders dargestellt als im Roman. Unter anderem tritt der Pariser Freund kurz in Erscheinung. Ich habe mich sofort daran gestoßen und musste auf dem Heimweg darüber nachdenken, warum. Ich schätze, es liegt daran, dass in meinen Augen Emmas Charakter durch diese kleine Änderung eine andere Gewichtung bekommt. Das ist natürlich gewagt, wenn es um eine so wichtige Entscheidung in ihrem Leben geht. Im Film erschien sie mir unabhängiger von Dexter, als es im Roman den Anschein hatte. Das widerspricht aber meinem Gesamteindruck vom Film, worauf ich im nächsten Punkt noch einmal zu sprechen komme. Wie habt ihr das Erscheinen des Pariser Freundes gewertet?

Nummer 2 Dexter hat eine Tochter namens Jasmine. Im Roman verstehen sich Emma und Jasmine außerordentlich gut. So gut, dass die Mutter sogar neidisch wird. Im Film spielt die Beziehung zwischen Emma und Jasmine gar keine Rolle. Das wurde für mich vor allem am Schluss des Romans schwierig: Wenn Dexter am Ende der Geschichte seinen absoluten Tiefpunkt im Leben hat, verhält sich Jasmine (im Film deutlich älter als im Roman?) sehr distanziert und abweisend gegenüber ihrem Vater. Auch bei ihrem letzten Gespräch zwischen Vater und Tochter bleibt diese Distanz erhalten, mehr noch, Jasmine rückt mit ihrer Aussage, dass ihre Mutter ihre beste Freundin sei (Dexter sagte, dass Jasmine seine beste Freundin ist), noch weiter von ihrem Vater ab. Vielleicht bewerte ich das über, aber ich fand, dass die Beziehung zwischen Emma und Dexter dadurch noch mehr von der Aussenwelt abgekapselt wurde, weil eben Jasmine so gar keine Bindung an Emma zu haben scheint.

Nummer 3 Wie im Buch greift der Film auch am Schluss noch einmal die erste Nacht von Em und Dex auf. Im Buch will Dexter am ersten gemeinsamen Morgen gehen, überlegt es sich anders und tut so, als riefe er seine Eltern an, um das gemeinsame Treffen zu verschieben. Im Film fehlt dieser Moment. Ich fand das bemerkenswert, da diese kleine Handlung Dexters Interesse an Emma zum Ausdruck brachte. Dadurch das dies fehlte im Film, wirkte Emma viel emotionaler in dieser ersten gemeinsamen Nacht/Morgen. Das konnte auch die letzte Szene im Film, wenn Dexter nach ihrer Telefonnummer fragt, nicht ändern, da Emma es übertreibt und ihm alle Kontaktdaten geben will, die sie hat (auch die Faxnummer des Büros ihres Vaters).

Das sind die drei Stellen, die mir am meisten Kopfzerbrechen bereiten. Ich werde da sicherlich noch ein wenig darüber nachdenken, aber vermutlich nicht zu einem befriedigenden Ergebnis kommen. Deswegen liebe ich DVDs so sehr, die ein Behind the Scenes oder Making of haben. Da werde solche Konzeptionsfragen häufig geklärt.

Fazit: Der Film hat mir sehr gut gefallen. Ich weiß nicht, wie der Eindruck eines unbelesenen Zuschauers ist, aber wer den Roman gelesen hat, wird hier eine schöne bebilderte Geschichte vorfinden. Ich bin großer Fan von Anne Hathaway: Sie spielt Emma großartig (der Yorkshire-Akzent ist genial!). Sie schafft es, den unausgesprochenen Gedanken ein Gesicht und eine Geste zu geben. Ihr Gegenspieler Jim Sturgess ist in Hollywood ein noch unbeschriebenes Blatt, was man kritisch betrachtet auch manchmal an den eindimensionalen Darstellungen bemerken könnte, allerdings passt es sehr gut zu Dexters Figur und so wirkt er auch sehr glaubhaft. Erwähnen möchte ich noch die grandiose Patricia Clarkson, die Dexters Mutter Alison spielt. Eine wunderbare Schauspielerin, genauso hab ich mir die Mutter vorgestellt!
Ich kann den Film also guten Gewissens empfehlen. Aber tut euren Männern einen Gefallen und geht mit euren Mädels rein! Und wenn ihr könnt/mögt, ins Original! Eine schöne Liebeskomödie/tragödie, die allerdings ohne Anne Hathaway und der vielen Werbung sicherlich nur die Leser(innen) des Romans lockt.

5Eulen

Mich würde nun eure Meinung interessieren: Wie hat euch der Film gefallen? Besser oder schlechter als der Roman oder sind beide gleich gut?

2 comments

  1. Julia says:

    Oh, ich möchte ihn unbedingt sehen!
    Bin schon so gespannt.
    Aber mein Freund mag eben nicht mit mir reingehen ;) und meine Freundinnen können meine Vorfreude so gar nicht teilen. Aber ich werde noch jemand finden.

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