Warum ich nicht an Wunder glaube – Flamingos im Schnee

Lange habe ich es vor mir hergeschoben, Wendy Wunders Flamingos im Schnee zu lesen. Ich wusste, dass es um die letzten Monate eines krebskranken Mädchens geht. Ich wusste aber nicht, ob ich Lust auf Herzschmerz, Traurigkeit und Melancholie hatte. Nun, all das war gar nicht drin. Ich hätte keine Bedenken haben müssen.

Vor zwei Wochen gab ich mir einen Ruck. Ich wollte etwas ganz anderes lesen, als das, was ich davor in der Hand hatte. Ich fühlte mich gewappnet für die Melancholie und die Tragik, die der Themenkosmos Krebs-Tod-Jugendliche ahnen ließ.

Ich tauchte also in Cams Welt ein. Und zunächst war ich angetan: von der Ironie und dem feinen Humor. Figuren und Schauplätze sind in der Kombination so unwirklich wie die ganze Geschichte. Man muss schon an Wunder glauben, bevor sich die Figuren selbst auf die Suche danach begeben. Es war mir zu konstruiert, was ich aber zunächst nur als leises Unbehagen, als stilles Wundern wahrnahm. Ich fragte mich: „Warum werde ich nicht warm mit Cam und ihrer Familie?  Und warum kann ich mir die Geschichte nicht bildlich wenigstens ein bisschen vorstellen?“

Worum geht es in Flamingos im Schnee?

Flamingos im Schnee soll ein Appell an das Leben sein. Zeigen, wie schön das Leben ist und dass es sich lohnt, auch wenn das Sterben kurz bevorsteht, es in vollen Zügen zu genießen. Dafür reisen Cam, ihre Mutter und ihre Halbschwester Perry in die magische Stadt Promise. Die Mutter und Perry hoffen, dass Cam dort geheilt wird. Promise soll ein Ort voller Wunder sein, wo das Unmögliche möglich wird.

Mein Problem mit Wundern

Aber mit Wundern, mit buchstäblichen Flamingos im Schnee, lila Löwenzahn und einer Kleinstadt, die man nur durch einen versteckten Pfad hinter dem Burger King findet, geht das nicht. Für mich nicht.

Warum ich nicht an Wunder glaube? Weil sie etwas Außergewöhnliches sind. Und gerade das Gewöhnliche finde ich besonders. Der erste Kaffee nach dem Aufstehen, der angenehme Weichspüler-Duft im Pullover, der Mittags-Spaziergang mit einem Kollegen. Momente, die mich zum Lächeln bringen, die mir ein gutes Gefühl geben. Da brauche ich keine magische Stadt. Es braucht nur aufmerksame Augen, um das Gute im grauen Alltag zu sehen und anzunehmen.

Cam lernte in ihren letzten Monaten, was Liebe bedeutet. Sie lernte, dass ihr Leben nicht nur der Krebs ist. Mir gefiel nur nicht, wie sie es lernte. Denn die Geschichte ist wenig alltagstauglich. Alles, von den Figuren, den Schauplätzen bis hin zum Handlungsverlauf ist so besonders, dass ich automatisch Abstand davon nahm. Als wäre Flamingos im Schnee ein Ausnahmezustand.

Was ich damit sagen will

Es ist kein schlechtes Buch, ganz und gar nicht! Es ist nur nicht so berührend und wärmend für mich, wie andere Romane mit ähnlicher Thematik. Um es klar zu sagen: Ich hab mehr erwartet und auch schon besseres gelesen. Empfehlen kann ich das Buch nicht. Wen es aber interessiert und wer eine leichte Geschichte voller Besonderheiten sucht, dem könnte Flamingos im Schnee gefallen.

 

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